Schwangau
Arbeit in der Werkstatt als wahres Lebenselixier

«Durch meine Arbeit bekomme ich Trost und Ablenkung. Sie bewahrt mich vor einem schnellen Ende.» Für den 87-jährigen Bildhauer Ludwig Gebler ist die Arbeit in seiner Werkstatt ein wahres Lebenselixier. Umso mehr freut er sich, dass die Gemeinde Schwangau seine Kunst schätzt - inzwischen sind zwei weitere seiner Holzfiguren im Rathaus zu bewundern: der Minnesänger Hiltepold von Schwangau und die von ihm angebetete Luitgard von Innsbruck.

Als Gebler sah, mit wie viel Achtung seine Kunstwerke von der Gemeinde präsentiert werden, freute er sich sehr: Die Holzfiguren stehen in Nischen als schöner Schmuck an den beiden Seiten der Eingangstüre zum Sitzungssaal. Jeder Rathaus-Besucher kann so sehen, über welch große Bildhauerfertigkeiten der 87-jährige Künstler verfügt. Außerdem regen die Darstellungen des Minnesängers Hiltepold von Schwangau und von Luitgard von Innsbruck dazu an, sich mit der Schwangauer Geschichte zu befassen.

Gebler wählt seine Motive oft aus der Ortsgeschichte und aus der christlichen Lehre. Er wertet Literatur aus und setzt die ihn besonders beeindruckenden Wort-Passagen in Bilder um. Ein Schaffen, das ihn erfüllt und ablenkt von seinem Leben, das «weiß Gott kein Zuckerschlecken war», wie er hervorhebt.

Bescheiden erzählt er daraus wenige Einzelheiten, die ihn jedoch dazu gebracht haben, sich immer mehr zurückzuziehen. Körperlich groß, aber von Statur her eher schwächlich und sehr sensibel wirkt der Bildhauer. Deswegen sei er bereits zur Schulzeit manchmal zum Gespött der Mitschüler geworden. «Das hinderte aber nicht daran, Soldat unter Hitler sein zu müssen», hakt er eine Zeit ab, über die er nicht weiter reden will.

Das von Vorfahren ererbte künstlerische Talent habe ihn jedoch nicht in die Lage versetzt, «sich zu machen», bedauert Ludwig Gebler im Rückblick. Nach seiner Schulzeit lernte er das Schnitzen und die Bildhauerei bei Schreinermeister Eduard Sprenzel in Füssen. Drei Jahre lang versuchte er sich als selbstständiger Künstler - vergebens. Er musste stattdessen bei Straßenbau oder Wildbachverbauungen hart - und seinem Kunstschaffen eher konträr - arbeiten.

Das Wohnhaus, das er sich auf seinem ererbten Grundstück in Hohenschwangau gebaut hatte, war trotz allem nicht zu halten. Mit dessen Verkauf konnte er aber wenigstens das Wohnrecht für sich und seine Frau Renate erhalten. Sehr dankbar ist Gebler der Gemeinde Schwangau. Immer dann, wenn er selbst keinen Ausweg mehr fand, bekam er einen Auftrag für ein Kunstwerk, das ihm die Kommune abkaufte.

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