Immenstadt
Annäherung an Gefühle

Im alltäglichen Sprachgebrauch wurde sie zum Synonym für nahezu sämtliche menschlichen Empfindungen - die Haut. Lust und Unbehagen, Kälte, Wärme, Schmerz, Ängste und wohliges Erschauern können einem sozusagen «unter die Haut» gehen. Dieses außerordentlich sensible Organ hat die Immenstädter Künstlerin Waltraud Funk als Medium für ihr großflächiges Kunstprojekt «Haut aus Worten» entdeckt, das jetzt im Hof des Immenstädter Literaturhauses der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Anfänglich sei sie vom «Austragungsort», dem bislang ein wenig stiefmütterlich behandelten, kargen Hof des Literaturhauses, nicht sonderlich begeistert gewesen, erinnerte Waltraud Funk bei der Vernissage. Aber dann war sie fasziniert von der gelungenen Symbiose aus den Fragmenten der alten Stadtmauer und ihrer ebenso fragmentarischen wie inhaltlich dichten Installation «Haut aus Worten».

Es war einer dieser seltenen warmen Sommerabende, der bei der Ausstellungs-Eröffnung das passende Ambiente für den sensitiven Duktus der Künstlerin schuf. Und es waren die Worte des Laudators Thomas Gehring, der mit historischen und philosophischen Randbemerkungen das Thema «Haut» eindrucksvoll reflektierte, und das sehr persönliche Statement von Waltraud Funks Tochter Susan (Studentin der Kunstwissenschaft an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe), die dem zahlreich erschienenen Publikum mental die Weichen stellten.

Eine Vielzahl an Stimmen

Dass sich Kunst eigentlich nicht in Worte erfassen lässt und «lediglich eine interpretative Annäherung ans Geschehene, an Gefühle» bleibt, hatte Susan Funk vom Philosophen und Kunstwissenschaftler Theodor Adorno erfahren. Sie appellierte an spontane Emotionen - jenseits des «kategorisierenden Verstands» - um das jeweilige Kunstobjekt subjektiv zu erfahren. Was die Arbeiten ihrer Mutter betrifft, so seien sie nicht auf eine einzige Bedeutungsebene zu reduzieren. «Aus ihnen spricht wie aus einem großen Resonanzkörper eine Vielzahl aus Klängen, Stimmen, Höhen und Tiefen».

Was sich ganz anschaulich nachlesen lässt in ihren Haut-Bildern. Denen sie einen spontanen emotionalen Stempel aufgedrückt hat. Eindringlich und unauslöschbar! Jeder ihrer zufälligen Probanden konnte sich ein Stück Haut auswählen und ein Wort, das ihm wichtig war, dort platzieren, wos seinen Ursprung nahm.

Waltraud Funks großes Thema ist der Mensch, eingebunden in «unterschiedlichste Sinnkosmen». Neben dem großformatigen Abbild draußen im Hof bietet die Ausstellung im Innenraum «eine Erzählung über den Einzelnen» - Arbeiten aus drei Jahrzehnten dieser sensitiven Künstlerin.

Da wendet sich «Scheherazade» kokett dem Geschehen ab, während eine fast drei Meter hohe Holz-Stele mit der Botschaft «Senseo ergo sum» ihre grobbehauenen Blätter gen Himmel streckt, den die Graphit-Skizzen aus den 80/90er Jahren der Künstlerin mit ihren frei im Raum schwebenden stilisierten Figuren «Herr, ich ergebe mich ganz dir selbst» längst erreicht zu haben scheinen.

Öffnungszeiten: bis zum 31. August im Innen- und Außenbereich des Immenstädter Literaturhauses, montags 14 bis 18 Uhr, dienstags 9 bis 11 Uhr, 14 bis 18 Uhr, mittwochs 14 bis 19 Uhr, donnerstags 14 bis 18 Uhr, freitags 12 bis 16 Uhr, samstags 10 bis 12 Uhr.

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