Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Prozess
Anklage: 30-Jährigem mit Anlauf gegen den Kopf getreten

Wegen versuchten Mordes muss sich ein 27-Jähriger aus Kaufbeuren seit gestern vor dem Landgericht Kempten verantworten. Im Oktober 2009 soll der aus Kasachstan stammende Angeklagte vor einer Diskothek im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz einen 30-Jährigen brutal zusammengeschlagen haben.

Vor dem Angriff soll der Angeklagte bereits wegen seines aggressiven Verhaltens einer Spielothek verwiesen worden sein. Unmittelbar darauf soll er vor der Diskothek seinem Opfer begegnet sein. Er sprach den 30-Jährigen an, dieser verstand ihn jedoch nicht und fragte, was er wolle. Dies nahm der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft zum Anlass, seinem Opfer einen Faustschlag ins Gesicht zu versetzen. Mit weiteren Schlägen soll er den Geschädigten zu Boden gebracht haben. Schließlich habe er dem bereits regungslosen Opfer noch einmal mit Anlauf gegen den Kopf getreten.

Der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte räumte vor Gericht ein, dem 30-Jährigen die Verletzungen zugefügt zu haben. Als Grund für die Schlägerei hatte er jedoch eine andere Version: Das Opfer soll nämlich ihn angesprochen haben. Anschließend kam es zu einer Rangelei, bei der ihm der 30-Jährige seine Jacke weggenommen habe. Bei dem Versuch, sie wiederzubekommen, sei diese kaputtgegangen. «Dann bin ich ausgerastet».

Der 30-Jährige erlitt durch die Schläge zahlreiche Trümmerbrüche im Gesicht und ein Schädel-Hirn-Trauma. Bis heute habe er noch immer ein Taubheitsgefühl in einer Gesichtshälfte.

Zudem befindet er sich in psychologischer Behandlung, da er laut Gutachten ein massives Trauma davongetragen hat, das sich unter anderem durch Angstzustände, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwäche äußert. Der Kiefer, die Nase und die Zähne des 30-Jährigen mussten in mehreren Operationen und Behandlungen durch Implantate wiederhergestellt werden.

Hohe Zahnarztkosten

Aufgrund der schwerwiegenden Folgen des Unfalls, der hohen Zahnarztkosten sowie eines verpassten Semesters an der Universität, stellte der als Nebenkläger Anwesende 30-Jährige einen Schmerzensgeldantrag in Höhe von mindestens 30000 Euro.

Als der Angeklagte von den körperlichen und seelischen Verletzungen hörte, entschuldigte er sich bei seinem Opfer. «Das klingt ja ganz gut, aber eine Entschuldigung wäre sicher wirksamer, wenn der geschilderte Sachverhalt dem des Opfers nicht derart widersprechen würde», kommentierte der Richter die Entschuldigung. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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