Kaufbeuren / Ostallgäu
Angst vor der Neid-Debatte

Sie sind gläsern geworden, die Landwirte. Spätestens, seit die Höhe der jeweiligen Subventionen aus dem Topf des EU-Agrarfonds für jedermann im Internet nachzulesen ist. «Man zeigt schon mit den Fingern auf uns. Das schürt den Neid. Auch unter uns Landwirten», sagt einer, der vom Staat gerade einmal knapp 9000 Euro erhalten hat. Seinen Namen will er aber nicht in der Zeitung lesen. Wie so viele andere seiner Kollegen auch.

Und da hakt der Bayerische Bauernverband ein. Ob die Veröffentlichung der Zuschüsse im Internet mit dem Datenschutz vereinbar sei, werde sich noch zeigen, heißt es. Eine entsprechende Klage hat der Verband bereits eingereicht. Doch, dass die Auswirkungen auf die Landwirtschaft dramatisch sind, zeigt sich schon jetzt. «Wir sehen das sehr kritisch. Diese Veröffentlichungen führen tatsächlich zu unnötigen Neiddiskussionen», meint Matthias Borst, beim Bayerischen Bauernverband zuständig für die Agrarpolitik. Er hat bayernweit schon von alarmierenden Auswüchsen gehört. Etwa davon, dass in einer niederbayerischen Gaststätte die Listen mit den Subventionen gar öffentlich ausgehängt worden waren - samt Kommentaren eines Neiders. Besorgniserregend sei dies. «Jeder ist jetzt identifizierbar», sagt Borst.

Das Problem: Meistens interessiere einzig und allein der ausgezahlte Betrag. «Die Erläuterungen, die dahinterstecken, liest sich kaum jemand durch», so Borst weiter. Die einzelnen Zahlungen seien zudem wenig aussagekräftig, denn über die jeweiligen Maßnahmen (siehe Infokasten) der Bauern oder auch notwendige Eigenleistungen gebe es keinerlei Details.

Schaut man sich die Listen im Internet an, gibt es in der Tat kaum Grund, neidisch zu werden. Das Gros der Landwirte in und um Kaufbeuren erhält vergleichsmäßig geringe Subventionen. Spitzenreiter ist die Gemeinde Germaringen: Insgesamt wurden rund 1,2 Millionen Euro ausgeschüttet. Aufgeteilt auf 71 Empfänger. Die meisten Beträge bewegen sich unter 12000 Euro. Es gibt sogar Überweisungen, die unter 100 Euro liegen.

Wer nach den ganz großen Summen sucht, muss durch unzählige Seiten blättern. Der größte Einzelbetrag geht mit knapp 330000 Euro an die Gemeinde Friesenried - für den Hochwasserschutz.

Einigen Bauern wäre es lieber, sie würden leistungsgerecht bezahlt. Ohne Subventionen. Doch dem widerspricht Borst. In etlichen Betrieben würden die Zuschüsse seitens des Staats zwischen 40 und 60 Prozent des gesamten Einkommens ausmachen. Bei vereinzelten Landwirten gar noch mehr. Borst: «Ohne diese Subventionen würden vielerorts die Lichter ausgehen.»

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