Kaufbeuren
Angst vor Altlasten

Der Abbruch der ehemaligen Kunstanstalt in der Johannes-Haag-Straße wird möglicherweise noch den Stadtrat beschäftigen. Dabei geht es um die Frage, ob Altlasten unter dem Gebäudekomplex ruhen. SPD-Stadträtin Helga Ilgenfritz fordert, dass die Stadt ein Gutachten in Auftrag gibt und eine genaue Auflistung der Stoffe im Boden erstellt. Wie berichtet, lässt das Bauunternehmen Dobler derzeit die Gebäude abbrechen, um das Grundstück für eine künftige mögliche Bebauung freizumachen.

Das Bauunternehmen habe weder vor noch während der zur Zeit laufenden Abbrucharbeiten Hinweise auf Altlasten erhalten, so Unternehmenssprecher Hans Gaul. «Alles was wir abbauen und wegfahren, wird auch beprobt.» Eine Experte überwache den Abbruch. Sollte sich ein Verdacht auf eine Kontamination ergeben, würden sofort weitere Untersuchungen veranlasst. Die frühere unternehmerische Tätigkeit in der Kunstanstalt als Druckerei- und Schriftsetzerbetrieb spreche nicht automatisch für eine Bodenverunreinigung. Gaul schließt nicht aus, dass es Bodenproben geben wird, wenn eine Bebauung des Geländes vorgesehen ist und ohnehin Erdarbeiten anstünden. Derzeit sei ein Bauvorhaben aber kein Thema. Wie berichtet, möchte das Unternehmen Dobler mit dem Abriss zeigen, welche Entwicklungsflächen mitten in der Stadt für eine Bebauung zur Verfügung stehen.

In gleicher Weise wurde deshalb bereits mit den Grundstücken der Autowerkstatt in der Kemptener Straße und des alten Arbeitsgerichts in der Gutenbergstraße verfahren.

Heribert Schaller von der städtischen Umweltabteilung bestätigt das Vorgehen des Unternehmens Dobler bezüglich der Proben auf belastende Stoffe. «Es gab keinen konkreten Verdacht auf Altlasten», sagt er. Auch eine sogenannte historische Erkundung, bei der Zeitzeugen wie ehemalige Mitarbeiter und Nachbarn befragt werden, habe keine Hinweise auf Bodenverunreinigungen ergeben. Erst wenn Verdachtsmomente aufträten, würden weitere Untersuchungen in die Wege geleitet, wie jüngst in Neugablonz anlässlich möglicher Altlasten durch die frühere Sprengstofffabrik.

«Amtshaftung» befürchtet

Auf diesen Vorgang bezieht sich Helga Ilgenfritz bei ihrer Forderung. Hier wie dort liege ein «öffentlich-rechtlicher Charakter» vor, das heißt, eine Altlastenuntersuchung müsse in solchen Fällen von Amtswegen, also automatisch durch die Stadt vorgenommen werden. Die Stadträtin verweist auf die räumliche Nähe der Kunstanstalt zu Schulen, Arztpraxen und gastronomischen Betrieben. «Es ist für die Mitglieder des Stadtrates wichtig, über die umfassenden Untersuchungen und deren genaue Ergebnisse auf dem Laufenden gehalten zu werden», so Helga Ilgenfritz, die eine mögliche «Amtshaftung» der Stadträte befürchtet, sollten sich unbemerkte Altlasten im Boden befinden.

Auch in Füssen habe jüngst ein neuer Jugendtreff mit Verspätung eröffnen können, da in der ehemaligen Druckerei erst der belastete Boden ausgetauscht werden musste.

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