Allgäu
«Andreas, wie heißt du?»

Die Sonne scheint, am strahlend blauen Himmel ist keine Wolke zu sehen und warme Temperaturen locken ins Freie. Schüler genießen ihre Sommerferien im Freibad oder am Baggersee, während der Papa im Büro schwitzt und sich sehnlichst den bald beginnenden Familienurlaub herbeiwünscht. Die Oma schimpft derweil über die anstrengende Hitze und lässt zuhause die Rollos tagelang geschlossen. Jede Generation erlebt den Sommer anders, verknüpft damit unterschiedliche Emotionen und Erwartungen. In einer losen Serie stellt die BZ verschiedene Menschen vor und beschreibt, wie sie den Sommer 2009 erleben - nützliche Informationen inklusive.

Dillishausen «Andreas, wie heißt du?», fragt einer der Bewohner im Haus «Schatzinsel» den Ferienarbeiter Andreas Ludsteck mit einem schelmischen Lächeln. Dabei weiß er dessen Namen ganz genau. «Hier gibt es immer einen Grund zum Lachen und die Bewohner sind immer zum Scherzen aufgelegt», erzählt der 19-Jährige aus Altensteig.

Keine Langeweile

Die 18-jährige Anna Wörle aus Waal löst ihn gleich vom Frühdienst ab und fügt hinzu: «Mir fallen bald keine Frauennamen mehr ein. Er weiß genau, wie ich heiße, und fragt trotzdem immer wieder. Ich sag dann immer einen anderen Namen und dann rufen alle: Du heißt doch Anna», erzählt die junge Frau.

Langweilig wird es den insgesamt fünf Ferienarbeitern im Haus «Schatzinsel», einem Kurzzeitpflegeheim in Dillishausen für geistig und körperlich behinderte Menschen, nicht. «Hier lernt man eine Menge verschiedener Menschen und Charaktere kennen», sagt Anna: «Die Behinderten schaffen es ganz oft, uns zu überraschen und zum Lachen zu bringen.»

Ursula Heisterkamp, Betreuungshelferin in der Einrichtung, erzählt, dass Ferienarbeiter vor allem aufgrund der guten Mundpropaganda auf sie zukämen. Auch Anna ist durch eine Freundin auf die Idee gekommen, im Haus «Schatzinsel» zu arbeiten. «Anfänglich hatte ich Berührungsängste», gibt Andreas zu, dessen Mutter in der «Schatzinsel» arbeitet: «Doch nun bin ich schon das zweite Mal hier. In den Pfingstferien habe ich schon für zwei Wochen in der Einrichtung gearbeitet.» Jetzt sei er sogar für die kompletten Sommerferien hier.

Seit 2000 befindet sich die «Schatzinsel» am Ortsrand von Dillishausen. Die Räume sind freundlich und gemütlich gestaltet. «Wenn das Wetter schön ist, dann spielen wir mit den Gästen im Garten Fußball oder schaukeln», erzählt Andreas: «Bei schlechtem Wetter machen wir Gesellschaftsspiele im Haus oder bauen etwas aus Bauklötzen.» Für die Bewohner selbst soll der Aufenthalt in Dillishausen wie Urlaub sein. Die Familie wird während des Aufenthalts des behinderten Kindes entlastet und hat Zeit zur Erholung (wir berichteten). Wie Ursula Heisterkamp erzählt, sei das Haus in den Sommerferien voll besetzt. Die Ferienarbeiter werden also dringend benötigt, wobei sie hauptsächlich Arbeiten der Betreuung und hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen sowie Ausflüge unterstützen. Andreas gibt zu: «Zuvor habe ich schon auf dem Bau gearbeitet und Saft ausgefahren. Die Arbeit hier ist was ganz anderes, aber auf jeden Fall entspannter.»

Anna hat früher bereits erste Erfahrungen im sozialen Bereich gesammelt: «Ich habe schon im Alten- und Seniorenheim in Waal gearbeitet.» Nächstes Jahr kommt die Waalerin in die 13. Klasse. Danach möchte sie auf jeden Fall im sozialen Bereich arbeiten.

Andreas hingegen würde gerne in der Wirtschafts- und Unternehmungsberatung tätig sein. Doch dem 19-Jährigen bleibt keine Zeit dazu, von der Zukunft zu träumen: Ein Bewohner kommt um die Ecke und freut sich offensichtlich mächtig, den Altensteiger zu sehen. Stolz leert er seine Blechautos auf dem Tisch aus.

Noch zwei Wochen liegen vor den geduldigen Ferienarbeitern und die Bewohner versuchen sicher noch oft, die beiden mit der Frage «Andreas, wie heißt du?» zum Lachen zu bringen.

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