Füssen
An «Qualm-Front» herrscht Ruhe

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Vor dem «Bahnhofs Stüberl» in Füssen steht seit knapp drei Wochen ein Aschenbecher griffbereit auf dem Fensterbrett. Und der wird oft genutzt. Auch die Wirtinnen Sylvia Meisinger und Sylke Kneifel sieht man mit Glimmstängel vor ihrem Lokal. Sie gehen mit gutem Beispiel voran, damit das seit August in Bayern geltende Rauchverbot eingehalten wird. «Unsere Gäste akzeptieren, dass sie am Tresen keine Zigarette genießen dürfen. Wir haben auch noch keinen Stammgast verloren», sagt Sylvia Meisinger. «Es scheint keine größeren Probleme zu geben», bestätigt Ralf Kinkel, Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt. Dass die Raucher überhaupt nicht mehr ausgehen, weil sie sich beim Bier ohne Kippe persönlich eingeschränkt fühlen könnten, trifft beim «Bahnhofs Stüberl» offensichtlich nicht zu. Auch nicht im Bistro «Relax»: Zwar sind viele Stammgäste Raucher, doch weichen sie zum Qualmen vor die Tür aus. Essen ohne Rauchschwaden kommt nicht nur bei etlichen Gästen gut an, sondern auch beim Personal: «Ich bin froh, dass ich nicht im Rauch arbeiten muss», gesteht eine Bedienung: Nun stinke die Kleidung nicht mehr nach Qualm.

Etwas weniger Gäste

Dagegen registriert Ingrid Henninger als Wirtin im «Café Eichhorn» und im «The Club», dass etwas weniger Gäste kommen. «Genaue Zahlen habe ich erst Ende August. Aber es ist klar, dass der Umsatz derzeit zurückgeht, und woran das liegt.» Allerdings akzeptierten die Besucher im «Eichhorn» und «Club» in der Regel, dass sie auf der Straße rauchen müssen. Genau hier sieht Henninger - wie bereits im Vorfeld des Gesetzes Kollegin Marion Schweiger («Moskito» und «Schiffwirtschaft») - «das größte Problem auf uns zukommen: Jeder kann einen Anwohner verstehen, der sich nach Mitternacht in seinem Schlaf gestört fühlt, weil auf der Straße vor dem Lokal diskutierende Raucher stehen».

Die Clique der «Club»-Besucher um den Füssener Daniel Böck achtet nachts um 23.30 Uhr darauf, dass jeder Zigarettenstummel im mitgebrachten Aschenbecher landet. «Wir hatten es selbst in der Hand, dass wir ab August nicht draußen stehen müssen», meint Böck. «Doch die Raucher haben die Möglichkeiten der Demokratie nicht genutzt.»

«Leute aus den anderen Bundesländern, die als Urlauber hier sind, kennen andere Regeln für Raucher. Es wird nicht leicht sein, ihnen klarzumachen, dass es in Bayern das schärfste Gesetz zum Schutz der Nichtraucher gibt», gibt eine andere Raucherin zu bedenken.

Vorschriften sind das eine, Kontrollen das andere - wie sieht es damit in den heimischen Lokalen aus? Es gebe keine Nikotin-Sheriffs, erklärt Ralf Kinkel vom Landratsamt. Doch im Rahmen der üblichen Lebensmittelkontrolle achte man auch darauf, ob in den Lokalen zur Kippe gegriffen wird. Bislang habe die Kreisbehörde keine Verstöße entdeckt. Nur von einem Bürger sei gemeldet worden, dass in einer Gaststätte trotz des Verbots weiter geraucht werde. «Dem gehen wir natürlich nach», betont Kinkel. Stimme der Vorwurf, seien eine Ermahnung oder bei weiteren Verstößen ein Bußgeld die Folge. (ha/hs/kf)

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