Weiler
An der Bahnschranke Niederländisch gelernt

Er ist unmusikalisch «bis zum Gehtnichtmehr» und singen kann er gar nicht. In Ethik mag er aktuelle Diskussionen mit den Schülern, ohne zu streng an einen Lehrplan gebunden zu sein - und Englisch, das ist das Lieblingsfach von Rektor Walter Schäfer, denn das «macht sehr viel Spaß». Mit Ende des Schuljahres verlässt der 62-Jährige die Volksschule Weiler und verabschiedet sich in den Vorruhestand. Er war acht Jahre Schulleiter dort.

Als Schäfer sich 1966 nach dem Abitur für ein Studium entschied, schwankte er zwischen Ingenieurwesen und Lehramt. Den Ausschlag für seine Wahl gab letztlich das Kultusministerium, das den Job des Lehrers als Traumberuf anpries. Diesen hätte Schäfer fast gefunden, «wenn die Bedingungen etwas besser wären». Was ihn am meisten stört, ist die «momentan etwas ausufernde Bürokratie». Oft sei er nur in Hetze «und was wirklich fehlt, ist Zeit».

Die Menschen sind es, die Schäfer am meisten vermissen wird. Die Kollegen, manche Schüler und die Eltern. «Wir haben eine modellhafte Zusammenarbeit mit Elternbeirat und Elternsprechern», sagt Schäfer, der Kontakt sei «sehr eng und offen». Normale Tage kennt Schäfer nicht. Sein Job sei «Abwechslung pur». Wenn andere abends einen Krimi anschauen, habe er schon genug Unterhaltung gehabt.

In 40 Jahren Schullaufbahn hat Schäfer, der in Kempten geboren und aufgewachsen ist, viel erlebt und viel gesehen. Als er 1969 nach Scheffau an die Landschule kam, hatte er die Jahrgänge Fünf bis Acht in einer Klasse zusammen zu unterrichten. «Kombiklassen sind für mich also nichts Neues» und wenn die Klassenstärke 20 Schüler nicht überschreitet und für Schwächere Förderunterricht eingeplant ist, hält Schäfer diese Art des Unterrichts durchaus für sinnvoll. «Die größeren Kinder können den kleineren den Stoff erklären und da haben alle was von.»

Schon immer hat Schäfer das Fernweh geplagt. Während seiner Zeit als stellvertretender Schulleiter in Lindau hat er sich deshalb für den Auslandsdienst beworben - mit Erfolg. 15 Jahre lang hat er in Belgien und Luxemburg unterrichtet und dabei unter anderem die Verantwortung für 900 Schüler gehabt.

Englisch spricht Schäfer fließend, bei Französisch muss er nicht viel Nachdenken und auf Niederländisch kann er heute immer noch Träumen. Die Sprache der Holländer hat er übrigens an der Bahnschranke in Lindau gelernt, vor der er auf dem Weg zu Schule viele Stunden seines Lebens verbracht habe. Seit zwei Monaten lernt der Grünenbacher Esperanto, «aber ich bin noch nicht so weit, wie ich es gern wäre.»

Für seinen anstehenden Ruhestand hat Schäfer schon allerlei Pläne geschmiedet. Neben Segeln auf dem Bodensee, einem Törn auf dem Genfer See und Motorradtouren auf seiner 20 Jahre alten Honda Shadow - «meinem Harley-Ersatz» möchte er viel reisen, ferne Freunde in London und Ollioulles besuchen oder seinen Töchtern in München, Frankfurt und Münster einen Besuch abstatten.

In einer ruhigen Minute greift Schäfer gern zu einem Buch. Rund 3000 Stück nennt er sein Eigen - darunter alte Klassiker, schwarzer Humor oder Allgäu-Krimis als «Entspannungsliteratur». Als «guter Kunde» der Bücherei in Isny hat sich Schäfer aber vorgenommen, künftig weniger Bücher zu kaufen und noch mehr auszuleihen.

Die Prosatexte und Gedichte in «Was nicht in euren Lesebüchern steht» von Erich Kästner nimmt Schäfer immer wieder gern in die Hand - und zum Glück muss er zum Lesen nicht singen können.

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