Kempten
«An abscheulichen Texten ergötzt»

Wer rechtsradikale Musik hört, kann sich damit Ärger einhandeln. Das ist jetzt im Fall eines 20-Jährigen deutlich geworden. Dieser wurde wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt. Der junge Mann hatte die hetzerische Musik seiner damals minderjährigen Verlobten zugänglich gemacht. Die beiden wohnten zu dieser Zeit unter einem Dach.

Bereits wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt wurde der 20-Jährige, weil er vor der Residenz auf einen dunkelhäutigen Mann eingeschlagen hatte. Daraufhin hatte die Polizei seine Wohnung durchsucht und 41 CDs mit rechtsradikaler Musik entdeckt. Außer den Tonträgern fanden die Polizisten auch Pornovideos, zu denen seine Freundin ebenfalls Zugang gehabt habe. Das war für die Staatsanwaltschaft weniger erheblich, da die Jugendliche kurz vor ihrem 18. Geburtstag stand. Nicht so nachsichtig war die Anklage bei der Musik. «Sie haben sich der Volksverhetzung schuldig gemacht, weil die CDs einer Minderjährigen zugänglich waren», erklärte der Staatsanwalt.

Vorsitzender Richter Friedrich Probst las Auszüge aus den Liedern vor, in denen Hetze und offene Drohungen gegen Ausländer zu hören sind. Der Staatsanwalt verlangte, den Angeklagten nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen: Er habe eine Berufsausbildung und keine typisch jugendliche Verfehlung begangen. Gegen ihn spreche außerdem, dass er bereits zweimal wegen Körperverletzung vorbestraft sei. Eine Geldstrafe von insgesamt 2100 Euro sei angemessen.

Für eine mildere Strafe entschied sich das Schöffengericht nach den Worten des Richters, weil der bloße Besitz der CDs nicht strafbar sei. Zudem war dem Gericht wichtig, dass der Angeklagte mit der Einziehung der Medien einverstanden war. Auch sein Handy, auf dem ein Hakenkreuz zu sehen ist, wird er nicht wieder bekommen. «Über Geschmack streite ich mit Ihnen nicht», meinte der Vorsitzende abschließend, «das sind ganz abscheuliche Texte, an denen sie sich so ergötzen».

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