Marktoberdorf
Am Ziel vorbeigefahren

Es wird wohl noch viele Jahre dauern, bis Rollstuhlfahrer mit der Bahn Marktoberdorf besuchen können. Derzeit bringt sie der Zug zwar dorthin, aussteigen können sie aber praktisch nicht. Weder gibt es am Bahnhof einen mobilen Lift, noch sind die Züge mit Ausstiegshilfen ausgestattet. Da tröstet es wenig, dass der Zugang zum Bahnsteig inzwischen einigermaßen barrierefrei ist. Findet der Reisende nicht selbst Helfer, die ihn aus den Waggon hieven, kommt er erst in Buchloe oder in Füssen aus dem Zug.

Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) warb bei der Bahn für eine Erhöhung der Bahnsteige, um den Zugang zu den Zügen zu erleichtern. Auch Landrat Johann Fleschhut wurde bei der Bahn vorstellig und verwies auf das geplante Vorhaben «Barrierefreies Allgäu».

Bahn: Marktoberdorf zu klein

Doch selbst Waltraud Joa, Behindertenbeauftragte des Landkreises, warnt vor Schnellschüssen: Solch ein Umbau sei nicht sinnvoll. Denn der Mittelbahnsteig sei so schmal, dass ein mobiler Lift gar nicht draufpasse. Er müsste also nicht nur erhöht, sondern auch verbreitert werden. Und dafür müssten Gleise verlegt werden - ein kostspieliges Unterfangen. Selbst dann sei noch immer unklar, wie man mit dem Rollstuhl auf den Mittelbahnsteig kommt.

Bei der Deutschen Bahn heißt es auf Anfrage, dass Marktoberdorf mit 1300 Fahrgästen am Tag zu klein sei: Bahnhöfe mit viel mehr Passagieren würden zuerst behindertengerecht ausgebaut, so ein Bahnsprecher. Ob Marktoberdorf bis zum Ende der nächsten Planungsperiode 2018 umgebaut werde, sei offen. Gleichzeitig ist es aber erklärtes Ziel der Deutschen Bahn, Bahnhöfe mit mehr als 1000 Reisenden vorrangig behindertengerecht umzubauen.

Daher setzt Joa langfristig darauf, dass die Züge mit Einstiegshilfen ausgestattet werden, die die behinderten Fahrgäste selbst bedienen können und damit unabhängig sind. Bei den mobilen Liften hingegen, sofern es die an Bahnhöfen gibt, ist der Rollstuhlfahrer auf fremde Hilfe angewiesen. Aber auch andere Reisende, ja nicht einmal Schaffner oder Bahnhofswärter dürfen das schwere Gerät bewegen.

Dafür bedarf es eigens ausgebildeten Personals, weswegen Joa, die selbst im Rollstuhl sitzt, drei Tage im Voraus anfragen muss, ob sie überhaupt in oder aus dem Zug kommt. Nachdem die entsprechenden Bahnmitarbeiter für ein großes Gebiet zuständig sind, kann es gut sein, dass sie am Reisetag gerade in Lindau im Einsatz sind, klagt Joa.

Barrierefreiheit dient nicht nur Menschen mit Behinderung. Auch Senioren, Eltern mit Kinderwagen und Radfahrer profitieren davon. Joa ist überzeugt, dass Behindertengerechtigkeit dabei hilft, den sanften Tourismus anzukurbeln. Bis es in Marktoberdorf so weit ist, dauert es wohl noch eine ganze Weile. «Wir brauchen einen langen Atem», sagt Joa.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen