Kempten
Am Hildegardplatz scheiden sich weiter die Geister

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Auf dem Hildegardplatz bekam die «Altstadt-Traudl» (Gertraud Schwarz) einst ihren ersten Kuss, in der Basilika wurde sie getraut und jeden Mittwoch freut sie sich auf die Würstel am Wochenmarkt. Und schaue sie sich auf Kemptens Plätzen um, sagt die «Altstadt-Traudl», komme sie zu dem Ergebnis, dass der Hildegardplatz der einzige Platz sei, «der noch zu 100 Prozent lebt» - auch mit seinen Autos. Eine Tiefgarage komme für sie deshalb nicht in Frage.

Bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend unter dem Motto «Jetzt red i» fand die «Altstadt-Traudl» mit ihrer Rede durchaus Unterstützer. Am Ende der Diskussion, zu der rund 200 Besucher gekommen waren, gab es aber doch wieder die klassische Patt-Situation: Gegner und Befürworter einer Tiefgarage hielten sich die Waage.

Das sagen die Befürworter

Das Optimum müsse man aus dem Umbau herausholen, meinte Dekan Dr. Michael Lechner. Für seine Pfarrei zumindest seien das mehr als 120 Parkplätze - und die werde es nur mit einer Tiefgarage geben. Für Joachim Rall ist die Sache ebenfalls klar: «Entweder muss der Wochenmarkt weg oder wir brauchen eine große Tiefgarage.» Denn aktuell finde der Markt auf Kosten anderer - nämlich der Stiftsstadtbewohner - statt. Einen autofreien Platz wie einst vor und während des Kriegs wünscht sich Herbert Klaus.

Er glaubt - im Gegensatz zu den Ablehnern -, dass eine schön gestaltete Tiefgarage sehr wohl angenommen würde und die Chance biete, den Platz seiner historischen Bedeutung angemessen zu gestalten. Und Student Andreas Schütz wies auf die kulturelle Bedeutung Kemptens für das Umland hin: «In der Stadt parken eben nicht nur Kemptener, sondern auch viele Auswärtige. Die wissen dann, wenn sie ins Kornhaus wollen, nicht, wo sie ihr Auto sonst abstellen sollen.»

Das sagen die Gegner

Ganz einfach Angst um ihre Existenz haben viele Geschäftsleute vom Hildegardplatz. Sie rechnen während der Bauzeit mit etwa 50 Prozent Umsatzeinbußen und würden sich eine Gestaltung wünschen, die weniger zeitintensiv ist.

Ein anderer Kemptener glaubt nicht, dass die Tiefgarage angenommen würde - wegen der großen Zahl der Autofahrer, die nach den Verkehrszählungen von Modus Consult nur für kurze Zeit auf dem Hildegardplatz parken. Ein weiteres wichtiges Thema der Tiefgaragengegner ist nach wie vor die Sicherheit der Basilika, die sie durch einen Tiefgaragenbau in Gefahr sehen - so wie Walter Bucher. Er zeigte sich zudem überzeugt davon, dass sieben Millionen Euro für den Platz nicht ausreichen, «wenn die Basilika wirklich zu 100 Prozent sicher sein soll».

So geht es weiter

Spätestens 2012, sagte OB Dr. Ulrich Netzer, soll die Gestaltung des Platzes realisiert werden. Mittel für die Planung seien im Haushalt für nächstes Jahr vorgesehen und 2011 werde es auf dem Platz noch archäologische Grabungen und erste Vorarbeiten geben - egal, ob die Entscheidung letztlich für oder gegen eine Tiefgarage ausfällt.

Und was passiert - diese Frage kam aus den Besucherreihen - jetzt mit den Meinungen der Bürger? «Es muss klar sein, dass es mit einer oberirdischen Lösung nicht möglich ist, wie gewünscht viele Parkplätze zu schaffen und den Platz schön zu gestalten», sagte Netzer. Der Stadtrat müsse nun entscheiden, ob alle von den Bürgern zu Beginn formulierten Ziele verwirklicht werden sollen - oder ob man auf einige verzichtet. Für ihn, Netzer, stehe nach dem Abend nur so viel fest: «Sie haben es uns nicht leichter gemacht.»

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