Eisenberg
Am Geburtstag den weißen Tod gefunden

Am heutigen Donnerstag jährt sich ein tragisches Unglück zum 100. Mal: Der junge Pfarrer Rasso Berkmiller aus dem Weiler Schweinegg kam am 15. Januar 1909 mit einem Studienfreund in einer Lawine am Wendelstein ums Leben. Er wollte in dem Kirchlein auf dem Wendelstein anlässlich seines 30. Geburtstages eine Dankmesse halten und danach mit seinem priesterlichen Freund Erasmus Riedl, Pfarrer in Oberlauterbach bei Schrobenhausen, auf dem Wendelstein sein Wiegenfest würdig feiern. Doch es kam anders: Beim Aufstieg zur Kapelle wurden die zwei von einer Lawine erfasst und getötet. Das Unglück löste in Eisenberg Bestürzung und tiefe Trauer um den beliebten Geistlichen aus.

Rasso Berkmiller stammte von «der Mühle» in Schweinegg. Er war der älteste Sohn des angesehenen Milchkäufers, Käsers, Landwirts und Müllers Josef Berkmiller, dem Käse-Pionier und Begründer der Emmentalerherstellung im Ostallgäu. Rasso besuchte bis zur vierten Klasse die Volksschule in Zell, dann das Gymnasium mit Internat in Kempten.

Mit 17 Jahren begann er an der Universität München ein Theologiestudium, ehe er am 20. Juli 1901 in München die Priesterweihe empfing. Eine Woche später feierte der junge Geistliche in seiner Heimatpfarrei St. Mauritius in Zell Primiz. Das Primizbaumklettern vor seinem Elternhaus war - wie längst verstorbene Schweinegger begeistert erzählten - ein herrliches Fest.

Der junge Geistliche war zunächst Kaplan in Hohenwart und Schrobenhausen. 1905 folgte die Berufung zum Stadtkaplan in St. Maximilian in Augsburg, wo er 1908 zum Stadtpfarrvikar ernannt wurde und eine eigene Pfarrstelle in Oberhausen bei Weißenhorn antrat. Hier war seine letzte Wirkungsstätte, ehe der sportliche Pfarrer am Wendelstein den weißen Tod fand.

Rasso Berkmiller war als Mann mit scharfem Geist, gesundem Urteilsvermögen und ausgeprägter Gewissenhaftigkeit bei den Menschen hoch geachtet und in seiner Pfarrei sehr geschätzt. Als er zur abgemachten Zeit nicht vom Wendelstein zurückgekehrt war, wurde tags darauf mit der Suche begonnen. Die Retter fanden ihn schließlich tot in den Schneemassen, der Leichnam seines Freundes wurde Tage später entdeckt. Rasso Berkmiller wurde in der Schweinegger St.

-Rasso-Kapelle aufgebahrt und dann im Familiengrab in Zell unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und über 30 Geistlichen beigesetzt.

Der Vater des Verunglückten, Josef Berkmiller, war ein großer Wohltäter. Da in der Gemeinde bis dato kein Leichenwagen vorhanden war, hatte er vor dem Unglück einen solchen in feinster Ausführung in Auftrag gegeben, inklusive edlem Zaumzeug. Beides schenkte er der Pfarrei zum Transport der Toten vom Sterbehaus zum Friedhof. Die Übergabe hatte im Herbst 1908 stattgefunden. Das Schicksal wollte es, dass der erste Tote, der mit dem neuen Wagen zum Friedhof gefahren wurde, ausgerechnet sein eigener Sohn war. Josef Berkmiller folgte ihm ein Jahr später mit 73 Jahren auf den Zeller Friedhof.

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