Nesselwang
Am Berg gilt: «Wald vor Wild»

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Bergwald aus? Wie vertragen sich Wild und Bergwald? Zu einer Exkursion hatte die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Landkreis Ostallgäu ins Alpspitzgebiet bei Nesselwang eingeladen. Etwa 40 Jagdvorsteher, Jagdpächter, Waldbesitzer und Forstleute trotzten Wind und Regen, um sich von Forstdirektor Robert Berchtold aus Füssen und Förster Franz Nöß aus Pfronten über die «Bergwaldoffensive» in Bayern informieren zu lassen.

Der Vorsitzende des Rechtlerverbands Nesselwang, Alfons Köberle, wies auf die Probleme im Rechtlerwald auf der Nordseite der Alpspitze hin: Das touristisch stark genutzte Gebiet mit hoher Schneelage, Beleuchtung und intensiven Freizeitaktivitäten wie Varianten- und Nachtskilauf sowie Mountainbiken im Sommer lasse sich extrem schwierig bejagen. Wegen der Grenzlage zum nahen Jagdrevier Oberallgäu sprach sich Köberle für ein revierübergreifendes Wildgatter aus. «Der Satz: Mein Wild - Dein Wild gilt nicht. Der Lebensraum eines Rotwilds erstreckt sich auf mehrere Jagdreviere», betonte Nöß. Berchtold empfahl, die Förderung durch die Bergwaldoffensive zu nutzen. Ein einheitliches Wild- und Jagdkonzept mit Gemeinschaftsgatter werde erheblich bezuschusst.

Die Monokultur Fichte sei anfällig gegen Stürme und Borkenkäferbefall, was durch den Klimawandel noch verschärft werde, erläuterte Berchtold. Der Bergwald müsse zu einem standortgerechten Mischwald umgebaut werden. Dazu gehört ein «waldverträglicher Wildbestand». Nöß zitierte das Bundesverwaltungsgericht, wonach der Waldbesitzer dem Verbiss nicht tatenlos zusehen müsse. «Wald geht vor Wild», so das Fazit der Fachleute.

«Es muss auch ohne Zaun gehen»

Bei der Schutzwaldsanierung an der Alpspitze besteht Berchtold zufolge Handlungsbedarf, auch wenn der Mischwaldanteil verbessert worden sei. Die Aufforstung in der «Schwarzen Riese» ist für die Forstexperten vorbildlich. Außerhalb der Zäune seien aber Ahorn, Weißtanne und Buche starkem Verbiss ausgesetzt. «Es muss auch ohne Zaun gehen», so Berchtold.

Eine Verschärfung der jagdrechtlichen Vorschriften hielt er nicht für erforderlich: «Es gibt Reviere, wo eine waldgerechte Bejagung funktioniert und andere, wo das nicht klappt - bei der gleichen Rechtslage.» Es komme auf die Vorgaben der Grundbesitzer an.

«Es geht nur miteinander. Jeder braucht jeden», meinte Ludwig Schmid, Vorsitzender der Jagdgenossenschaften im Ostallgäu und zog ein positives Fazit: «Wir sind auf dem richtigen Weg!»

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