Kempten
Alte Tradition mit Leben erfüllt

Orgelkonzerte in der Kemptener Basilika haben eine lange Tradition. Sie reicht zurück bis in die Zeit um das Jahr 1700. Es ist sehr erfreulich, dass der jetzige Kirchenmusiker und Organist, Benedikt Bonelli, diese Tradition aufgreift und wieder mit Leben erfüllt. Mit einem Orgelkonzert an der Doppelorgel im Chorraum gab er am Vorabend von Christi Himmelfahrt ein exquisites (Barock-)Konzert, wobei der Schwerpunkt des Programms auf Werken von J. S. Bach lag.

Zu Beginn erklang das Concerto d-Moll, BWV 596, das mit Bedacht registriert war und den Einfluss des Vorbildes Vivaldi gut hörbar machte. Die Triosonate (BWV 528) spielte Bonelli makellos - ein Hörgenuss für das Publikum, das die musikalische Struktur genau verfolgen konnte. Besonders klar zu hören waren der dreistimmige Fugenaufbau und der dazu kontrastierende dritte Satz.

Im Mittelteil des Konzertes erklang eine Passacaglia von Georg Muffat. Die Reihung von Variationen im Rhythmus des Tanzes präsentierte Bonelli in sinnigem Tempo. Mit einem amüsanten Capriccio über den Kuckuck von J. K. Kerll überraschte er das Publikum. Die kleine Terz des Kuckuckrufes war nahezu permanent zu hören; ganz in der Tradition der Zeit, in der Vogelstimmen gerne imitiert wurden. Bonelli zelebrierte das spieltechnisch anspruchsvolle Werk hinreißend.

Das Konzert endete mit einem Prunkstück der Bachschen Orgel-Literatur: Präludium und Fuge in D-Dur (BWV 532) des jungen Komponisten. Der Vortrag war technisch glänzend und gekennzeichnet durch eine sensible Ausarbeitung der musikalischen und ästhetischen Feinstruktur. Das Präludium mit dem solistischen Pedaleinsatz zu Beginn und den überraschenden harmonischen Wendungen am Ende nahm Bonelli etwas langsamer, was der Bedeutung dieses kontrastreichen «Vorspiels», das von gleichem Umfang und Anspruch ist wie der Fugenteil, entspricht. Die vierstimmige Fuge ist konventionell komponiert, Bonelli arbeitete sie klar heraus. Das begeisterte Publikum erlebte ein facettenreiches, überzeugendes Orgelkonzert und wurde für den anhaltenden Applaus mit einer Zugabe belohnt.

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