Weiler-Simmerberg
Alt trifft Jung

«Mensch ärgere Dich nicht», Spaziergänge und Gespräche: Wenn die Schülerin Corinna Beyrer einmal im Monat ins Alten- und Pflegeheim Rothach nach Weiler kommt, hat sie noch keinen genauen Plan über den Verlauf der nächsten Stunde. Gemeinsam mit Alica Bucher, Laura Bihler und Fabienne Schneider sorgt die Gymnasiastin «für Unterhaltung - denn die braucht man», wie der 83-Jährige Pflegeheimbewohner Andreas Klein findet.

Insgesamt 14 Jugendliche aus Weiler-Simmerberg kommen seit ein paar Wochen im Wechsel immer am Montagnachmittag zu den alten Menschen, um ihnen Abwechslung vom Alltag zu bieten. Besuchskreis nennt sich das neue Angebot. Die Idee für diese Art der Seniorenbetreuung hatte Petra Wucher aus Weiler. Sie ist Mitglied des «Arbeitskreises (AK) Miteinander», der die Aktion letztlich ins Leben gerufen hat. «Wir wollen, dass die Jugendlichen möglichst selbstständig arbeiten und keine Belastung für die Heimmitarbeiter sind», so Wucher.

Die Seniorenbetreuung ist freiwillig und läuft auf ehrenamtlicher Basis. Der Kontakt zwischen AK und jungen Helfern ist über die örtlichen Firmgruppen zustande gekommen. Wucher möchte neben den katholischen Jugendlichen auch evangelische Konfirmanden ins Boot holen.

«Für mich ist dieser Kontakt etwas ganz Neues», sagt die 14-jährige Corinna. Sie versucht, Gespräche über einfache Sachen zu entwickeln - «darüber, dass es schön ist, an der frischen Luft zu sein - oder ich erzähle von mir und der Schule.» Die Besuche im Rothach sind für die Gymnasiastin alles andere als Pflicht. Es macht Spaß zu sehen, dass die alten Leute Freude haben», sagt sie. Manchmal sei der Kontakt etwas schwierig, etwa «wenn jemand einfach nur stumm ist », erklärt Corinna.

Das Angebot kommt an, sagt Pflegedienstleiterin Maritta Baumgart. Zwischen fünf und acht Senioren nehmen das neue Angebot wöchentlich in Anspruch. Die anfängliche Zurückhaltung der Jugendlichen lege sich mit jedem Treffen ein bisschen mehr, so Baumgart. Sie ist überzeugt davon, dass von der Aktion beide Seiten profitieren.

Für die Bewohner des Pflegeheims sind es der Kontakt und die einfache Unterhaltung, für die jungen Leute die Begegnungen und Situationen, die sie in dieser Form nicht kennen.

Wichtig ist der Pflegedienstleiterin der Kontakt zur Heimleitung. «Probleme und Ängste können und sollen jederzeit mit uns besprochen werden», sagt sie. Ihr Appell an die jungen Helfer: «Nie den Mut verlieren und immer weitermachen!»

Interessierte Jugendliche können sich bei Petra Wucher melden unter Telefon (08387) 95092.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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