Pfronten
Als die Königin keine Krone trug

Dienstauto, gestelltes Dirndl, samtene Schärpe, schmucke Insignien? Als Angelika Wohlfart vor zehn Jahren zur ersten Pfrontener Heukönigin gekürt wurde, war an solche Privilegien nicht zu denken. Einen Rhetorikkurs wie ihre künftige Nachfolgerin absolvierte sie quasi nebenbei - als Mitglied des Gemeinderats. Immerhin hielt sie ein Heuzepter in der Hand, als sie beim ersten Heufest in Weißbach präsentiert wurde - sie hatte es sich auf eigene Kosten binden lassen.

Angelika Wohlfart ging es um die Sache. Sie war Gründungsmitglied des Pfrontener Forums, noch immer engagiert sie sich für das Pfrontener Bergwiesenheu und sagt: «Wir dürfen nicht schlafen. Die Lechtaler wollen jetzt auch einsteigen - aber das Heu lassen wir uns nicht nehmen!» Ein ganzes «Jahr des Heus» soll das Thema wieder ins Blickfeld rücken, so ihre Idee. Vielleicht 2011.

Auch Norbert Wienesen, früherer Präsident des 1993 gegründeten Pfrontener Heukurverbands, will sich wieder verstärkt engagieren. Mittlerweile im Ruhestand hat er dafür nun Zeit. Die Idee, eine Heukönigin zu küren, hatte er aus Hessen mitgebracht, wo es schon mehrere Produktköniginnen gab. «Das ist ein leichter und kostengünstiger Weg, auf ein Produkt aufmerksam zu machen», sagt er. Bei der «Arbeitsgemeinschaft Deutsche KönigInnen», die der Heukönigin Auftritte bis an der Nordsee beschert, war er von Anfang an dabei.

Angelika I. schaffte es immerhin bis zur Messe nach Köln.

«Heuromed» nur in Pfronten

Seit 1993 waren in vier Pfrontener Betrieben Heuwickel angelegt worden. Im November 1997 erstellte Unternehmensberater Gebhard Dasser ein professionelles Heukur-Konzept. Gleichzeitig verwirklichte er die Idee von Hotelier Karl-Otto Bertle, Heu zu destillieren. Unter dem Namen «Heuromed» (für «Heu-Aroma-Meditation») dient das Destillat bis heute als Grundlage für Salben, Cremes, Shampoos und weitere Heuprodukte, wie es sie nur in Pfronten gibt. «Schon damals gab es die Idee zu Heuschnaps», erinnert sich Dasser. Bis heute hilft der gehaltvolle Trank der Heukönigin, auf Messen und Treffen das Eis zu brechen.

Ihr Nachfolgerinnen findet Angelika Wohlfart «bis jetzt alle gut», wie sie sagt. Auch wenn praktisch bei jeder «hintenrum» die Eignung in Frage gestellt wurde: «Das Kritisieren ist etwas Pfronten Eigenes», meint sie. «Das darf man nicht so ernst nehmen.» Der Kult um die Königin werde immer besser, meint sie unter anderem mit Blick auf deren Dienstfahrzeug: «Das grasgrüne Auto fällt einfach auf.» Auch Wienesen freut sich darüber, was aus seiner Idee geworden ist. Bei der Kür der neuen Hoheit ist auch deren «Urahnin» dabei. «Als Queen Mum», schmunzelt Angelika Wohlfart.

Das 5. Pfrontener Heufest beginnt am Samstag, 4. Juli, um 14.30 Uhr mit Festzelt, Marktständen und Aktionen rund ums Heu vor dem Pfarrheim. In einem Oldtimerkorso kommt die Heukönigin zusammen mit mehr als 30 weiteren Hoheiten aus ganz Deutschland zum Festplatz, wo um 18 Uhr ihre Nachfolgerin inthronisiert wird. Am Sonntag, 5. Juli, geht die Feier nach den Gottesdiensten weiter.

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