Bad Hindelang-Hinterstein
Als das Wasser vom Himmel stürzte

Richard Berktold aus Bad Hindelang zeichnet seit 50 Jahren Tag für Tag das Hindelanger Wetter auf. Fragt man den 66-Jährigen, warum im Sommer heuer das Wetter oft genug nicht mit der Vorhersage übereinstimmte, so verweist der Hobby-Meteorologe auf das spezielle Mikroklima in den Bergen. Beim Durchblick seiner auf 18 Ordner angewachsenen Wetterbeobachtungen ist Berktold auf zwei lokale Ereignisse gestoßen, die 75 beziehungsweise 60 Jahre zurückliegen, deren Spuren jedoch bis heute im Hintersteiner Tal sichtbar sind. Es handelte sich um verheerende Unwetter.

Nach einem milden Winter 1933/34 folgte ab Ende Februar bis in den Juni hinein eine Sonnenscheinperiode, die nur von wenigen Regentagen unterbrochen wurde. Die Vorfahren berichten dazu, dass «die Viehweiden rot waren von der brennenden Sonnenhitze». Besonders betroffen waren die Weiler der Marktgemeinde, die am Sonnenhang liegen: Reckenberg, Vorderhindelang und Gailenberg. Selbst die oberen Lagen in den Bergen waren bereits im März schneefrei.

Am 22. Juli 1934, einem Sonntag, ging ein gewaltiges Gewitter mit Wolkenbruch und Hagel nieder. Es schob in der Heidachrinne eine gewaltige, noch heute gut zu sehende Schuttlawine zu Tal. Die Geröllmassen zerstörten ein Sägewerk, das nicht mehr aufgebaut wurde.

Riesige schwarze Wolke

Am 7. September 1949 - es war ein schöner und sonnenwarmer Tag - bildete sich nachmittags zwischen dem Wilden und dem Schneck eine riesige, schwarze Wolke in Form eines Pilzes. Regungslos stand diese Wolke mehrere Stunden über dem Tal. Bei Anbruch der Dämmerung entlud sich ein Gewitter zwischen Hintersteiner- und Retterschwangertal, bei dem nach den Berichten von damals das Wasser «förmlich vom Himmel stürzte». Ein Blitz nach dem anderen tauchte die Täler «in giftgrünes Licht». Alle Elemente schienen entfesselt zu sein, wurde seinerzeit notiert. Die Straße von Hinterstein nach Hindelang wurde auf einer Länge von 300 Metern völlig weggerissen. Eine mächtige Kiesmure war vom Breitenberg herabgestürzt und hatte das Flussbett der Ostrach zugeschüttet. Wohl an die 50 000 Kubikmeter müssen es gewesen sein.

Es kam zu einem Rückstau, der derart schnell auflief, dass man das hintere Dorf von Hinterstein evakuieren wollte. Dann aber verschafften sich die Fluten einen Ausweg und rissen die Straße weg. Gleichzeitig bahnte sich die Bsonder-Ach im Retterschwanger Tal ein neues Bett durch den Wald und über die Wiesen. Felsblöcke in Zimmergröße wurden vom Wasser mitgerissen. Dort, wo zuvor das Vieh in saftigem Grün weidete, fand man nur noch Sand und Kies.

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