Als Appenzeller am Bodensee gastierten

Röthenbach | ver | Es sind Namen, die fremd, witzig und manchmal geheimnisvoll klingen. Worte, die einen zum Schmunzeln bringen und scheinbar nichts mit einer Wohnsiedlung zu tun haben: In unserer neuen Serie erzählen wir in loser Reihenfolge die Geschichten, die hinter kuriosen Ortsnamen stecken.

Mit manchen Ortsnamen ist es wie mit chinesischen Schriftzeichen: Man hat keinen Schimmer, was sie einem mitteilen sollen. So ist das mit Bauschwanden. Klar: Es erinnert irgendwie an bauen - ansonsten hat die Fantasie angesichts des Röthenbacher Ortsnamens aber Pause.

Bleibt also nur der Blick in die Bücher, und wer wie Ortsheimatpflegerin Kathi Maurus suchet, der findet - und zwar das Wort 'swant' für 'Aushauen des Waldes, Zerstörung und Verwüstung'. Dazu kommt das mittelhochdeutsche 'bur' - ein Haus oder ein Bauer. Setzt man beides zusammen, geht es also höchstwahrscheinlich um eine von Bauern gerodete Stelle. Im Jahr 1290 taucht das Örtchen als 'Burswandin' auf, später werden ein paar Abwandlungen ausprobiert - von Burswandon über Bawschwanden bis zu Bürschwanden - bis 1770 dann Bauschwanden rauskommt.

Schutz vor Schweizern

Nicht nur Bäume wurden niedergemacht - auch sonst ging’s nicht zimperlich zu: So soll hier oben eine Hinrichtungsstätte gewesen sein - sagen zumindest manche Heimatforscher. Zudem taucht eine Bauernletze auf, also ein Verteidigungswall und -graben. Das so etwas ganz praktisch sein kann, zeigte sich im Jahr 1406 in der Zeit der Appenzellerkriege. Damals bekamen sich die Appenzeller Bauern mit dem Fürstabt von Sankt Gallen in die Wolle. Weil beide Parteien sich im Streit um verschiedene Rechte und Zinsen nichts schenkten, griff das Ganze auf die Gegend um den Bodensee über.

Bei Dreiheiligen kam es zu einer Schlacht und um sich vor anrückenden Schweizern zu schützen, bauten die Bauern eine Letze im Wäldchen, das von Steinegaden nach Bauschwanden führt. So eine Graben-Wall-Kombination ist heute noch da. Und sonst? Im Wald steht ein Gedenkstein - und in Appenzell gibt’s guten Käse.

Aus Auers ist wenig Wildes überliefert - bis auf einige Schreibweisen: So ist 1290 von 'Ouwers' die Rede, später heißt es 'Mouwerz de mollendino' und 'Owars'. Das alles steht für eins - die Aue. Wer da wohnt, ist ein Auer. Damit das weicher über die Lippen geht, wird ein 's' angehängt. Das klingt unspektakulär, ist aber wahrscheinlich so gewesen. Und schließlich trug der mittelhochdeutsche Dichter Hartmann von Aue das Wörtchen im Namen. Jenes ist nicht nur eine Niederung an Flüssen, die Bezeichnung fürs weibliche Hausschaf, sondern auch die Abkürzung für Australisches Englisch oder Arbeitskreis für Universitäre Erwachsenenbildung. Da sag’ noch einer, mit drei Buchstaben ließe sich nicht viel anfangen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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