Montblanc-Unglück
Allgäuer stürzt 400 Meter in die Tiefe - und überlebt

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Der Allgäuer Alpinist Vitus Längerer überlebte die Tragödie im Montblanc-Massiv mit neun Toten. Im Interview erzählt er von seinen Erlebnissen. 'Warum hatte ich so extrem viel Glück und andere nicht?' Diese Frage hat sich Vitus Längerer seit vergangenem Donnerstag häufig gestellt. Der Bergsteiger aus Sonthofen war am frühen Morgen im Anstieg zum 4465 Meter hohen Mont Maudit im Montblanc-Massiv, als er plötzlich ein Knacken hörte.

Sekundenbruchteile später riss ein riesiges Schneebrett den 44-Jährigen und 27 weitere Alpinisten in die Tiefe. Für neun Menschen gab es keine Rettung mehr. Der Oberallgäuer überlebte mit verhältnismäßig leichten Blessuren: einem blauen Auge, einer Gehirnerschüttung und einer Fleischwunde in der Wade. 'Ich war selbst erstaunt, dass mir nicht mehr passiert ist.'

Das Bergdrama gilt als eines der schlimmsten Lawinenunglücke seit Jahren im Montblanc-Massiv. Experten rätselten, wie die Tragödie ausgelöst wurde. Französische Behörden sprachen von einer 40 Zentimeter dicken Eisplatte, die abgebrochen sei und so die Lawine auslöste.

'Das ist Quatsch', widerspricht Längerer. Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 5 Uhr morgens waren mehrere Seilschaften in der Wand auf etwa 4000 Meter Höhe. Längerer – er gehörte zu keiner Seilschaft – ging in der Spitze der Aufsteigenden. Vor ihm waren nur drei Bergsteiger. Die Lawine sei von dem ganz vorne im Triebschnee spurenden Alpinisten ausgelöst worden, sagt der Allgäuer.

Ein Tritt durch den Bruchharsch, ein Knacken, und die Abrisskante habe sich über die gesamte Breite des Hanges gezogen. 'Ein riesiges Brett rutschte plötzlich nach unten.' Die mindestens sieben Seilschaften in der Wand, Längerer und ein weiterer Einzelgänger werden mitgerissen.

Kritik am Massentourismus auf den Gipfeln wurde laut

Der Hang an der Nordseite des Berges ist an dieser Stelle sehr steil. Längerer fällt, fliegt durch die Luft, schlägt auf, hebt wieder ab, fällt und schlägt nach etwa 400 Metern auf. Schnee verschüttet ihn. Doch der Kopf und der linke Arm bleiben frei. Es gelingt dem 44-Jährigen, sich aus dem Schnee 'herauszubuddeln'. Er hört Schreie, sieht Blut. Längerer rettet einen Bergführer, findet vier Bergsteiger tot.

Schon kurz nach dem Unglück wurde Kritik laut am Massentourismus auf alpinen Gipfeln. So sagte der Polarfahrer und Abenteurer Arved Fuchs, 59: 'Die Natur wird degradiert zu einer Art Freizeitpark.' Derartige Aussagen mag Längerer nicht unkommentiert lassen.

Der Diplom-Ingenieur hat in seiner Freizeit an mehreren Expeditionen teilgenommen, 6000 und 7000 Meter hohe Berge bestiegen. Er war schon häufig im Montblanc-Gebiet unterwegs und bewältigte die Route über den Mont Maudit zum Montblanc-Gipfel vor der Tragödie erfolgreich.

'Das sind keine Touristen und keine Unbedarften, die da hinaufgehen.' Die Seilschaften seien von erfahrenen Bergführern geführt worden. Jeder, der eine solche Tour plane, sei sich des Restrisikos bewusst. Dass sich so viele Menschen auf einmal im Hang bewegten, sei schlicht Zufall gewesen. Längerer ist sich sicher, die Tour irgendwann noch einmal zu gehen. 'Weil sie einfach so schön ist.'

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