Kaufbeuren / Mauerstetten
Allgäuer Panorama künftig ohne Bohrturm

Mehr als zwei Jahre war der nachts hell erleuchtete Geothermie-Bohrturm zwischen Kaufbeuren und Mauerstetten ein Blickfang für die Autofahrer auf der B12. Damit ist es bald vorbei. Die Anlage wird nun gewartet und demontiert. Nachdem die Betreiberfirma Exorka auf der Suche nach ausreichend Heißwasser in rund 4500 Meter Tiefe nicht fündig geworden war, wird der Bohrturm auch nicht mehr gebraucht.

Derzeit wird im Unternehmen Exorka darüber nachgedacht, wie es weitergeht. Letztlich gibt es nur zwei Optionen. Entweder es findet sich noch eine wirtschaftliche und technisch machbare Möglichkeit, die Wärme aus der Erdkruste zu nutzen, etwa in Form eines Wärmetauscherprojektes. Oder das ganze Vorhaben wird eingestellt, das Gelände renaturiert. Bei Exorka sind dazu derzeit keine klaren Aussagen zu erhalten. «Im Augenblick formulieren wir unser Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung des Standortes Mauerstetten», so Geschäftsführer Curd Bems. Die Ergebnisse müssten zudem mit Behörden und Fachleuten abgestimmt werden. Vor Ende des Jahres werde es vermutlich nichts Neues geben. «Technisch gesehen gibt es mehrere Möglichkeiten, die Wärme aus dem Boden zu holen», sagt Bems lediglich.

Von der effektivsten Möglichkeit musste man sich jedoch bereits verabschieden. Unterhalb der Gemeinde Mauerstetten, die im Süddeutschen Molassebecken liegt, ist der saubere Wärmeträger Wasser nach Ansicht der Fachleute zwar reichlich vorhanden. Die in der Flüssigkeit gespeicherte Energie kann theoretisch sowohl direkt, etwa zum Heizen und Kühlen, als auch indirekt zur Erzeugung von elektrischem Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden. Ursprünglich wollte Exorka im Fall erfolgreicher Probebohrungen ein Kraftwerk mit einer Leistung von vier bis fünf Megawatt zu bauen. Vorgesehen war, aus zwei Bohrlöchern pro Sekunde jeweils 80 Liter 130 Grad heißes Wasser an die Oberfläche zu pumpen. Durch eine dritte Bohrung sollte die gesamte Wassermenge wieder in die Erdkruste zurückgeführt werden, nachdem ihr die benötigte Energie entnommen wurde.

Trotz mehrerer Bohrversuche konnte die dafür erforderliche Schüttungsmenge allerdings nicht erreicht werden.

«Wir rechnen in den nächsten ein bis zwei Monaten mit einer Entscheidung, ob eine Nutzung über ein Wärmetauscherprojekt möglich ist oder die Anlage zurückgebaut wird», sagt Ingo Romanus Tönnesmann vom Bergamt Südbayern, das die Bohrung überwacht.

Der Abbau und die Revision des Bohrturms wird nach Angaben der beauftragten Bohrfirma Hekla Energy einige Tage, mitunter Wochen in Anspruch nehmen. Die Anlage soll am Genfer See, bei Noville in der Schweiz, wieder aufgebaut werden.

Dort geht es nach Angaben von Hekla-Betriebsleiter Uwe Bokemüller um eine sogenannte Erdgasexplorationsbohrung, mit der eine vermutete Erdgaslagerstätte untersucht werden soll.

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