Musik
Allgäuer Festival-Landschaft verändert sich gravierend: Eine Analyse von Kulturredakteur Klaus-Peter Mayr

Die Allgäuer Festival-Landschaft ist aus den Fugen geraten. Vor zwölf Monaten schien die Welt der Konzertreigen zwischen Irsee und Oberstdorf noch in Ordnung, nun wackeln die Leuchttürme des regionalen Kulturlebens, und einer ist gar völlig überraschend eingestürzt.

Ein Muster für die Misere lässt sich freilich nicht ausmachen, die Gründe für die gravierenden Veränderungen sind völlig verschieden. Nehmen wir Musica Sacra International, das in Marktoberdorf beheimatete Treffen von Musik- und Tanzgruppen der Weltreligionen, das an diesem Wochenende stattfindet. Dolf Rabus hat es ins Leben gerufen und gegen viele Widerstände gehegt und gepflegt.

Vor sechs Monaten starb er. 'Wir machen weiter', sagen jene, die ihm zur Seite standen. Und wie in diesen Tagen zu sehen ist, funktioniert das. Aber wird es auf Dauer laufen? Einer, der so leidenschaftlich für dieses weltweit herausragende Festival brennt wie Dolf Rabus, ist nicht in Sicht.

Aber ohne die Leidenschaft einzelner Menschen haben Konzertreigen selten Bestand. Geld allein (das ausreichend sowieso nur in selten Fällen vorhanden ist) reicht nicht. Aus heiterem Himmel aufgehört Wie sehr ein Festival von Personen abhängt, zeigt der Oberstdorfer Musiksommer. Als die beiden Protagonisten Peter Buck und Rossalinde Brandner-Buck Ende 2013 aus heiterem Himmel erklärten, dass sie aufhören (übrigens auch mit der Begründung, dass das Geld nicht ausreiche), verschwendete niemand im Umfeld der Beiden ernsthaft einen Gedanken daran, den Musiksommer am Leben zu erhalten.

Die Tatkraft, die Beziehungen und das Wissen der Bucks waren nicht zu ersetzen, auch nicht durch engagierte Mitstreiter. Anders lief es freilich beim Jazzfrühling in Kempten. Nach dem Tod von Hansjürg Hensler hat sich 2013 ein Team gebildet, das offenbar in der Lage ist, den omnipräsenten Macher zu ersetzen und sogar neue Impulse.

Seit einigen Tagen wissen wir, dass selbst das Urgestein aller Allgäuer Festivals Risse bekommt. Die Neuschwanstein-Konzerte auf Ludwigs Märchenschloss, die seit 1971 mit hochkarätigen Sinfoniekonzerten locken, haben – wie berichtet – mit neuen Brandschutz-Auflagen und überraschend ins Feld geführten konservatorischen Belangen zu kämpfen. Das führte dazu, dass die Sitzplätze im Sängersaal quasi von heute auf morgen erheblich reduziert werden mussten. Plötzlich ging die Kalkulation nicht mehr auf. Um die Einnahmeverluste zu kompensieren, erhöhte der Veranstalter die Eintrittspreise deutlich.

Nun stellt sich die spannende Frage, ob das Publikum dennoch Karten kauft oder sich in Zurückhaltung übt. Wenn letzterer Fall eintritt, könnte das zu einer finanziellen Schieflage führen, die den Konzertdampfer sinken lässt.

Personalproblem im Ostallgäu

Aber die Schlosskonzerte, die vom Landkreis Ostallgäu und der Gemeinde Schwangau über die 'Konzertgesellschaft Neuschwanstein' gesteuert werden, sind noch in weiterer Hinsicht gefährdet. Die Geschäftsführerin der Konzertgesellschaft, Michaela Waldmann, ist seit 2013 vielbeschäftigte Bürgermeisterin von Pfronten. Eigentlich hätte schon längst ein Nachfolger für sie aus dem Landratsamt in Marktoberdorf bestimmt werden müssen, so schreibt es die Satzung der Konzertgesellschaft vor.

Dass dies bis jetzt nicht erfolgt ist, darf als nicht ganz kleines Personalproblem gewertet werden. Wie die neue Landrätin Maria Rita Zinnecker und der neue Schwangauer Bürgermeister Stefan Rinke das Problem lösen werden, ist eine spannende Frage.

Als ob das alles nicht genug wäre, droht in absehbarer Zeit auch noch eine Renovierung des Sängersaals auf Neuschwanstein, wie Geschäftsführerin Waldmann sagt. Damit wäre der traditionelle Konzertreigen erst einmal heimatlos.

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