Landwirtschaft
Allgäuer Duft: Der Weg der Bschütte von der Kuh auf die Wiese

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Das Allgäu: Käse, Berge, Kuhduft. Gerade jetzt, wenn es draußen tagsüber angenehm warm ist und abends regnet, sind die Bauern auf den Wiesen unterwegs und sorgen dafür, dass sich der Allgäuer richtig daheim fühlt.

Über den Duft des Sommers legt sich der besondere Geruch. Die einen nennen ihn "Gestank", für die anderen riecht es nach "Allgäu". Die bräunliche Farbe der frisch gemähten Wiesen zeigt: Die Bauern "bschütten".

Auf Höhe Ermengerst im Oberallgäu ist Landwirt Stefan Maier (32) für diesen strengen Geruch mitverantwortlich. Sechs bis sieben Mal im Jahr fährt er mit seinem Traktor und dem Güllefass die Bschütte aufs Feld aus. Für ihn ist das Güllefahren ein notwendiger Bestandteil seiner Arbeit: Die frisch abgemähte Wiese bekommt Nährstoffe, die für den Aufwuchs von gesundem, frischem, satt grünem Gras wichtig sind. Da nimmt er den Geruch während der Arbeit gerne in Kauf, wenn am Ende das Ergebnis stimmt.

25.000 Liter Gülle fallen nach Schätzungen von Landwirt Maier im Jahr pro Kuh an. Hochgerechnet auf 80 Kühe, die in seinem Stall auf dem Hof in Ermengerst stehen, kommen somit zwei Millionen Liter Roh-Bschütte zusammen, die Stefan Maier für das Güllefahren auf der Wiese noch mit Wasser verdünnt.

Im Vergleich zur körperlich sehr anspruchsvollen Stall- oder Feldarbeit ist das Güllefahren für den Landwirt nicht besonders anstrengend. Nicht jeder Tag eignet sich, um die Bschütte aufs Feld auszubringen. Es müssen perfekte Bedingungen dafür herrschen, damit die ausgebrachten Nährstoffe auch dahin gelangen, wo sie hingehören.

Erst einmal muss das Feld frisch gemäht sein. Außerdem darf es nicht über 25 Grad warm sein, denn dann kommt es zur sogenannten Stickstoffausgasung: Der in der Gülle enthaltene Stickstoff gelangt bei zu viel Wärme in die Luft und geht so verloren. Der Stickstoff muss aber in den Boden, wo ihn kleinste Lebewesen zu Nährstoffen weiter verarbeiten können. Auch baldiger Regen ist für die ideale Düngung der Wiese Grundvoraussetzung. So kann die Gülle mit dem Wasser in den Boden eindringen und die Wurzeln mit Nährstoffen anreichern.

Gesetzlich geregelt

Landwirte dürfen die Bschütte nicht ausfahren, wann oder wie sie wollen. Der Gesetzgeber reglementiert das Ausbringen von Gülle auf die landwirtschaftlichen Flächen. Beispielsweise muss zu stehendem Gewässer (See, Weiher) ein Mindestabstand von fünf Metern eingehalten werden, drei Meter bei fließenden Gewässern (Bäche und Flüsse).

Auch darf ein Landwirt nicht bei gefrorenem, staunassem oder schneebedecktem Boden bschütten. Die Sperrfristen gelten dabei grob von Ende November/Anfang Dezember bis Mitte Februar, in den Höhenlagen meist bis Mitte März/Anfang April. Außerdem gibt es eine Faustregel, dass man pro Hektar Land zwei Kühe halten darf. Ansonsten würde die Stickstoffemissionen die erlaubte Obergrenze sprengen.

Bschüttefahren bietet Diskussionsstoff

In der Öffentlichkeit gibt es immer wieder Diskussionen über die Art und Weise der Gülleausbringung. Viele kritisieren, dass die Bschütte durch die bloße Ausbringung auf die Wiese nur auf das abgemähte Gras verteilt wird, aber nicht in das Erdreich gelangt, wo sie hingehört. Daher befinden sich laut Bauer Maier verschiedenste Techniken, mit denen die Gülle ins Erdreich gelangen kann, zur Zeit in der Erprobungsphase.

Das Problem: Der Landwirt müsste dann den Boden aufschlitzen, um die Gülle an den erforderlichen Ort zu bringen. In Hanglagen, wie es bei uns im Allgäu üblich ist, besteht damit die Gefahr der Erosion, weil die Wurzeln immer wieder durchschnitten werden. Der Boden würde sozusagen weggeschwemmt, weil er keinen Halt mehr hat.

Ab kommenden Jahr ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan: "Mit der Technik des Schwenkverteilers am Güllefass ist die Verteilung im Gegensatz zu früher schon besser geworden, denn dieser macht dickere Tropfen. Die Bschütte fällt dadurch schneller zu Boden und geht sogar durch das Gras durch," so Maier.

Das ändert aber nichts am Geruch. Landwirt Stefan Maier verrät, dass wir es hier im Allgäu noch mit einem vergleichsweise angenehmen "Aroma" der Bschütte zu tun haben, weil es sich meist um reine Rinderbschütte handelt.

"Wenn einer Schweine oder Geflügel hält, was aber bei uns in der Ecke nicht so oft der Fall ist, dann sag ich jetzt mal – ohne die zu diskriminieren – riecht es schon ein bisschen mehr. Rinderbschütte so wie bei uns ist also relativ harmlos im Vergleich dazu, meint er. Schlimmer geht also immer. Und für den typischen Allgäuer Geruch sollten wir den fleißigen Landwirten, die unsere Landschaft pflegen, dankbar sein. Bei uns im Allgäu riecht es eben doch am besten.

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