Flughafen
Allgäu Airport sucht neuen Gesellschafter - Gespräche mit Münchner Flughafen

Bewegte Zeiten für den Allgäu Airport: Das Defizit lag im vergangenen Jahr bei 1,6 Millionen Euro und damit um eine halbe Million höher als 2012. Dies hat Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schmid auf Anfrage unserer Zeitung mitgeteilt. Und die Zahl der Passagiere wird heuer weiter sinken.

In dieser Situation hofft der Airport, einen neuen Gesellschafter zu gewinnen: Gespräche über einen Einstieg des Münchner Flughafens haben nach Informationen unserer Zeitung begonnen. Dieser Partner würde nicht nur frisches Geld beisteuern, sondern auch die Position des Allgäu Airports bei Verhandlungen mit Fluggesellschaften stärken.

Der Freistaat hatte Anfang August ein Bekenntnis zum Memminger Flughafen abgegeben: Der Zuschuss für den Airport-Ausbau wurde von 7,75 auf zehn Millionen Euro erhöht. Zudem verlautete aus dem Finanzministerium, dass der Münchner Flughafen als Partner gewonnen werden soll. Der Freistaat ist mit 51 Prozent an dem Airport im Erdinger Moos beteiligt.

Michael Schilling aus der Geschäftsführung des Logistikunternehmens Dachser, der im Beirat des Memminger Flughafens sitzt, sagt: "Alle Gründungsgesellschafter wären mit einem Einstieg eines strategischen Partners, vorzugsweise aus der Luftfahrtbranche, einverstanden." Demnach würden die Eigner dem neuen Gesellschafter bis zu 50 Prozent der Anteile überlassen, "wenn die Konditionen stimmen".

Allerdings gibt es keine Aussage dazu, mit wem verhandelt wird und wie lange die Verhandlungen dauern werden. Klar ist aber, dass der Einstieg eines Partners wie des Münchner Flughafens eine Reihe von Vorteilen hätte. Da ist zunächst einmal der finanzielle Aspekt.

Die zehn Millionen Euro, unter anderem für den notwendigen Ausbau der Start- und Landebahn, gibt es nur dann vom Freistaat, wenn der Flughafen die gleiche Summe beisteuert. Dem Vernehmen nach dürfte es schwierig werden, bei den 73 größtenteils privaten Anteilseignern einen so großen Betrag einzusammeln. Die Gesellschafter haben bislang gut 20 Millionen Euro investiert.

Spannend ist auch die Frage, ob sich die Kommunen aus der Region finanziell stärker als bislang beteiligen. Dem Vernehmen nach erwartet der Freistaat hier mehr Engagement von Landkreisen und Städten.

Noch viel Platz

Der Allgäu Airport könnte aber nicht nur für den Flugbetrieb mehr Geld gebrauchen: Auf dem Gelände, einem ehemaligen Militärareal, befinden sich Gebäude, die man sanieren müsste, um sie vermieten zu können. Das betrifft zum einen reine Büroflächen, die branchenunabhängig genutzt werden könnten.

Das 145 Hektar große Areal böte aber auch Platz für "flugaffines Gewerbe". Dazu gehören beispielsweise Firmen, die Flugzeuge warten oder umbauen. Laut Schmid gibt es Interessenten. Klar ist: Mit dem reinen Flugbetrieb können Airports in Deutschland kaum Geld verdienen. Sie sind darauf angewiesen, beispielsweise mit Vermietungen oder Handel zusätzliche Erlöse zu erzielen.

Bei einem Einstieg der Münchner würde der Allgäu Airport auch in den Genuss von Vorteilen kommen, die nicht sofort in Euro und Cent zu beziffern sind. Wenn es um die Verpflichtung neuer Fluggesellschaften geht oder beispielsweise darum, mehr innerdeutsche Flüge anzubieten, "kann ein strategischer Partner helfen. Das erhöht die Akzeptanz bei den Airlines", sagt Schmid.

Viele Betreiber kleiner Flughäfen beklagen sich beispielsweise, dass die großen Airports Druck auf Fluggesellschaften ausüben, damit diese die kleinen Flughäfen nicht anfliegen. Ist ein großer Airport jedoch im Boot, entfällt dieses Problem.

Für heuer rechnet Schmid mit etwa 760.000 Passagieren - der bisherige Rekord wurde 2010 mit 911.000 erreicht. "Das Ziel für 2015 ist es, wieder in Richtung 800.000 zu kommen", sagt Schmid. Um eine schwarze Null zu schreiben, braucht der Airport über eine Million Passagiere.

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