Oberstdorf
«Alles, was wir aufgebaut haben, ist weg»

Die kleine Maria will nicht über das große Feuer reden, das sie am vergangenen Samstag erleben musste. Bis auf die Grundmauern ist das Haus in Oberstdorf niedergebrannt, in dem sie mit Mama, Papa und ihrer kleinen Schwester Anastasia in einer Wohnung lebte. Nur von ihrem Fahrrad erzählt die Fünfjährige, das den Flammen zum Opfer fiel. Das so schön orange war mit bunten Blumen. Und von ihren Barbies, mit denen sie nicht mehr spielen kann.

Auch ihre Eltern Edmond Demiri aus Albanien und Jovanka Jankovic aus Serbien beginnen erst langsam zu begreifen, wie ihr Leben innerhalb von Bruchteilen auf den Kopf gestellt wurde. Urplötzlich war das Feuer ausgebrochen, innerhalb kürzester Zeit flackerten mehrere Meter hohe Flammen aus dem Holzdach. «Als unser Vermieter «Feuer» rief, war unser einziger Gedanke: Raus mit den Kindern», sagt Jovanka Jankovic.

«Wir standen auf der Straße, die Hände in leeren Taschen»

Ihr Mann indes wollte noch dem Ehepaar Eggensberger im oberen Stockwerk helfen, lief die Treppe hoch und schickte die Beiden auf den Balkon - dort konnte die Feuerwehr sie per Drehleiter retten.

Auf dem Weg nach unten packte Demiri im Flur seiner Wohnung ein, was ihm in die Hände fiel - Pässe, Fotos und warme Jacken - dann verließ auch er das brennende Haus. Erst jetzt wurde ihm bewusst: «Alles, was wir aufgebaut haben, ist weg. Wir standen auf der Straße, die Hände in leeren Taschen.»

Und auch im Nachbargebäude wütete am vergangenen Samstag in der Dachwohnung das Feuer. Außer seiner Jacke und seinen Dokumenten habe er alles verloren, erzählt deren Bewohner Cicilano Nico.

Inzwischen gelingt dennoch ein positiver Blick nach vorn: «Jedes Schicksal hat auch sein Positives. Wir sind netten und ehrlichen Leuten begegnet», sagt Jovanka Jankovic.

Die Welle der Hilfsbereitschaft und Anteilnahme, die der Familie entgegenschlug, ist es vor allem, die den Blick in die Zukunft erleichtert: Die Vermieter-Familie Kirschner nahm die vier bei sich auf, Nachbarn brachten Kinderkleider. «Das hat mein Herz unheimlich berührt», sagt Demiri.

Die gleiche Erfahrung machte das Ehepaar Eggensberger. «Als wir die ersten Tage mit Rauchgasvergiftung im Krankenhaus lagen, ging die Tür andauernd auf und zu. Bekannte, Nachbarn und Leute, die ich gar nicht kannte, erkundigten sich, wie sie uns helfen können», erzählt Renate Eggensberger. Ja, sie hätten fast alles verloren. Die banalen Alltagsgegenstände seien ihr aber egal. Am wichtigsten sei: Sie und ihr Mann Edi seien wieder einigermaßen wohl auf - und auch Kater Mauritio wurde vom Balkon gerettet.

Leid tut es der Oberstdorferin jedoch um die verlorenen Erinnerungsstücke. Sie hofft: Vielleicht hat der ein oder andere noch Bilder vor allem von ihrem Mann, der in Oberstdorf als Kutscher Edi viele Jahre eine oft fotografierte Persönlichkeit war. Den Eltern Jankovic und Demiri indes geht es jetzt vor allem darum, möglichst rasch eine finanzierbare Wohnung in Oberstdorf zu finden. Die Schwierigkeit: Ein Auto können sie sich nicht mehr leisten, daher müsste die Wohnung zentral liegen.

«Was passiert ist, ist passiert», sagt Jovanka Jankovic. Sie könne sich ganz einfach glücklich schätzen, dass es allen gut gehe und es so liebe, hilfsbereite Menschen gebe.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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