Alles so wie sich’s g’hört und mit viel Herzblut

Von Barbara Hell | Waltenhofen Viele verschiedene Berufe hat Josefa Uhlemayr in ihrem langen Leben ausgeübt. Doch was immer ihre Arbeit war - sie hat sie 'so g’macht wie sich’s g’hört'. Das findet auch Pfarrer Roland Buchenberg. Der dankt seiner 87-jährigen Mesnerin vor allem dafür, dass sie ihr 'ganzes Herz in diesen Dienst gelegt' habe.

Die 'Pepi', wie Josefa Uhlemayr von vielen im Ort genannt wird, wollte eigentlich Hebamme werden. Doch die älteste Tochter von sechs Kindern auf dem elterlichen Wegmann-Hof im Ortsteil Rauns bekam nicht die Chance dazu, in der Landwirtschaft hieß es für die junge Frau mit anpacken, zumal ihr Bruder sieben Kriegs- und Gefangenschaftsjahre in Russland verbringen musste. 'Nix g’lernt' hat Josefa Uhlemayr deshalb - aber sieben Berufe ausgeübt und dabei mehr gelernt als mancher 'Studierte'.

So arbeitete sie auch als Postbotin und als Rot-Kreuz-Helferin, übernahm viele Nachtwachen bei Kranken, zusätzlich kontrollierte sie die Milch bei 21 Bauern. Das alles neben der Plackerei auf dem Hof. Kein Wunder, dass ihr ein Satz besonders flüssig über die Lippen geht: 'Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen.'

Voller Energie

1950 war sie dabei, als eine Ortsgruppe des Roten Kreuzes in Waltenhofen gegründet wurde, 60 Jahre war sie dort aktives Mitglied. 1957 heiratete sie Rudolf Uhlemayr, der nach drei Jahren starb. Von 1969 an führte sie daraufhin den Lebensmittelladen ihres Mannes, ehe sie sich 1981 zur Ruhe setzte. Scheinbar.

Denn schon nach einem Vierteljahr wurde sie 'unruhig', auch mit 60 war sie noch voller Energie. Noch einmal kontrollierte sie die Milch bei zehn Bauern. Und als Pfarrer Kurt Gottwald Josefa Uhlemayr 1989 fragte, ob sie nicht Mesnerin werden wollte, sagte sie sofort zu. Noch ganz genau weiß sie, mit welchen Worten der Geistliche sie am 7. Juli 1989 der Kirchengemeinde vorstellte: 'Wenn Sie zu euch mit einer Bitte kommt, schlagt sie ihr nicht ab.' So ist’s dann auch gekommen, freut sich die 87-Jährige: 'Niemand hat mir je was abgeschlagen.'

Jetzt, da sie von der Diözese aus Altersgründen quasi 'zwangspensioniert' wurde und von Bischof Mixa am Sonntag verabschiedet wird, freut sie sich, dass ihr Leben 'gemütlicher' wird. Die Kirche muss sie nicht mehr täglich am Morgen aufschließen. Aber den Rosenkranz an jedem Spätnachmittag, den wird sie weiterhin vorbeten. Und auch alle Gemeinderatssitzungen in Waltenhofen will sie wie bisher mit Freunden besuchen: 'Ich muss Steuern zahlen, da will ich wissen, was los ist.' Und schließlich gefällt es der 87-Jährigen allzu gut, danach in ein Gasthaus einzukehren und die Beschlüsse ausgiebig und kritisch zu diskutieren.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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