Lesung
Alle sitzen im gleichen Zug

Ratternde Züge, schrill pfeifende Schaffner, sonore Lautsprecherdurchsagen und dazwischen Literatur. In der Reihe «Hergatz liest» lud Ulrike Schneider-Membarth vergangenen Freitag zu einer Lesung in den Wartesaal des Hergatzer Bahnhofs ein. Von Jules Verne über Erich Kästner bis hin zur Mundart-Literatur Anneliese Schneiders gab es Texte unter dem Motto «Reisen» zu hören.

«Ihre Fahrkarte bitte», heißt es - und schon werden die rund 35 Besucher der Lesung zu Reisenden. Für Reiseproviant ist gesorgt: Wienerle, Karotten, Tee und natürlich Lesestoff. Die Reiseleitung übernehmen die fünf Vorleserinnen Andrea Warthemann, Doris Scheuerl, Markus Nickel, Gabi Spieler sowie Ulrike Schneider-Membarth selbst. Mit Lyrik und Prosa, aber auch Sachtexten führen sie das Publikum durch die literarische Welt des Reisens.

«Wir sitzen alle im gleichen Zug, und keiner weiß wie weit», zitiert Nickel Erich Kästners «Das Eisenbahngleichnis» und stimmt nachdenkliche Töne an.

Satirisches bietet die «Hergatz liest»-Initiatorin Warthemann: Die neun goldenen Regeln zur Benutzung eines Fahrkartenautomaten aus dem Bestseller «Senk ju vor träwelling» nehmen die Technisierung der Bahn aufs Korn. Daneben hat Scheuerl Ge-schichtliches im Gepäck. Die stellvertretende Landrätin liest Ausschnitte aus dem Landkreisbuch des Landkreises Lindau, unter anderem zur Entstehung der regionalen Eisenbahnlinie.

«Es ist interessant, in wie vielen Büchern einem der Bahnhof begegnet», stellt Ulrike Schneider-Membarth fest. Das Motto des Leseabends hat die 48-jährige Hergatzerin aufgrund ihrer Reiselust gewählt. «Ich habe einen engen Bezug zum Bahnhof, da ich immer in der Nähe eines Bahnhofes gewohnt habe», erklärt die Sozialpädagogin außerdem. Sie ist nach der Veranstaltung rundum zufrieden. Als ein «schönes Bahnhofserlebnis» resümiert sie den Abend.

Dem schließen sich auch Evi Jänecke (20) und André Edner (23) an. Die beiden Heimreisenden warten in Hergatz auf ihre Anschlusszüge nach Landsberg und Buchloe und sind dabei zufällig in der Lesung gelandet. Statt einer kalten Wartehalle erwartet sie warmer Tee, bequeme Sitzpolster und unterhaltsame Lektüre. «So ist das Warten ganz gemütlich und angenehm», sagt Jänecke. Doch schon meldet sich die sonore Lautsprecherstimme und ein Zug fährt ratternd ein. Die Reise geht weiter.

 

Ulrike Schneider-Membarth lud zu literarischen Ausflügen in den Bahnhof Hergatz ein. Gemeinsam mit weiteren Vorleserinnen frönte sie mit witzigen, nachdenklichen und Sachtexten der Reiselust. Foto: Aimée Jajes

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