Babenhausen / Unterallgäu
Alle Gemeinden entlang der Günz in einem Boot

«Hochwasserschutz an der Günz» - so könnte der Titel einer unendlichen Geschichte lauten. Schon unter Babenhausens ehemaligem Bürgermeister Theo Lehner sorgte das Thema für reichlich Diskussionsstoff im Marktrat. Nachdem die im Jahr 2000 geplante Flutmulde nicht verwirklicht worden war, planten die Markträte 2006 entschlossen den Spatenstich für ein gesteuertes Wehr vor der Abzweigung des Mühlkanals. Nun ist das Jahr 2010 angebrochen und die Anwohner in der Fabrikstraße können sich bei starkem Regen noch immer nicht sicher fühlen.

Warum in zehn Jahren noch nichts passiert ist, begründet Helmut Weis, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) in Kempten, so: «Das Problem wurde falsch angegangen.» Während zunächst jede Gemeinde entlang der Günz versuchte, sich im Alleingang zu schützen, kam das WWA im Jahr 2002 zur Einsicht, dass Hochwasserschutz nur gemeinsam geleistet werden kann. Nun lautete das Ziel: Alle an der Günz liegenden Orte müssen in einem Boot in die richtige Richtung rudern.

Dann dauerte es vier weitere Jahre, bis das WWA den Gemeinden ein Gesamtkonzept vorstellen konnte, das von Ottobeuren und Markt Rettenbach bis Babenhausen und Deisenhausen reicht. Weil die Babenhauser sich aber schnelle Hilfe wünschten, planten sie das Begrenzungsbauwerk an der Abzweigung zum Mühlkanal trotzdem im Alleingang.

Nun hieß es vonseiten des WWA, dass das Wehr seinen Zweck nicht ohne ein Rückhaltebecken oberhalb Babenhausens erfüllen könnte: «Das Hochwasser würde sich nur in andere Gebiete verlagern», so Weis. Deshalb gibt es für das Wehr nur Zuschüsse, wenn es im Rahmen des Gesamtkonzepts gebaut wird. «Mit dem Bau des ersten von fünf Rückhaltebecken kann auch mit dem Begrenzungsbauwerk begonnen werden», kündigt Weis an.

«Müssen sorgfältig vorgehen»

«Derzeit findet das Raumordnungsverfahren statt», erklärt der WWA-Leiter. Und das hat es in sich: Zu den zwölf möglichen Orten für fünf Rückhaltebecken müssen rund 150 Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahme abgeben - von Naturschutzorganisationen bis hin zum Amt für Denkmalschutz. «Wir müssen hier sehr sorgfältig vorgehen, damit später keine Interessenkonflikte vor Gericht enden.

» Denn ein Gerichtsverfahren würde das Vorhaben nur noch weiter verzögern.

Ziel des Konzeptes ist es, die Günz im Falle eines 100-jährliches Hochwassers so zu drosseln, dass kein Wohngebiet mehr überschwemmt wird. Im Zuge dessen will das WWA die Günz auch renaturieren. Parallel arbeitet das Landratsamt Unterallgäu Voraussetzungen für die Gründung eines Zweckverbandes aus. Im Frühjahr sollen alle Gemeinden entlang der Günz diesem Verband beitreten. Die Hochwasserschutzmaßnahmen werden dann vom gesamten Zweckverband finanziert. Die Idee: Je größer der Vorteil, den eine Gemeinde aus einer Maßnahme zieht, desto höher die Kostenbeteiligung.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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