Alle Gefühle am Telefon

Von Andrea Schauerte | Füssen/Hopfen am See Als Eva Steines in einer Gedankenpause ins Publikum blickte, war sie doch etwas 'überrascht, dass es so wenige sind'. Dennoch war die Schauspielerin vom Landestheater Schwaben (LTS) nicht enttäuscht. Mit 'Die menschliche Stimme' von Jean Cocteau spielte das LTS zum ersten Mal im Haus Hopfensee (siehe auch Umfrage). Wie berichtet, wollten weder die Bühne mit Sitz in Memmingen noch das Kulturamt der Stadt Füssen den Spielort Füssen 'verwaisen' lassen, nachdem durch die Insolvenz im Festspielhaus Neuschwanstein der letzte mögliche Spielort in der Stadt nicht mehr bespielbar ist. 'Wir führen allerdings schon wieder Gespräche', so Regisseur Peter Kesten mit Blick auf das neue Konzept im Festspielhaus.

Keinesfalls wollen LTS und Kulturamt das Haus Hopfensee allerdings als 'Zwischenlösung' ansehen. Zwar gibt es bis zur Sommerpause nach dem Cocteau nur noch eine Vorstellung dort - am Montag, 2. Juli, um 20 Uhr die Revue 'Barfly' -, doch auch der Spielplan 2007/2008 des Landestheaters bringt einige Höhepunkte, die nicht an Füssen vorbei gespielt werden sollen. 'Nicht alles geht hier, aber vieles', so Peter Kesten. Insgesamt kommt das LTS aber mit Bühne, Beleuchtung und Beschallung im Haus Hopfensee klar.

Den Beweis traten die Memminger mit Cocteaus 'Die menschliche Stimme' an. Swing-Musik klingt durch ein zunächst farbenfrohes Schlafzimmer, das dank Schwarzlicht mit dem Läuten des Telefons in graue Tristesse abtaucht. Selbst Eva Steines als die Frau, die ein allerletztes Telefongespräch mit ihrem Geliebten führt, der eine andere heiraten wird. Gut eine Stunde lang dauert diese Odyssee, in der Eva Steines die ganze Palette menschlicher Gefühle ausspielt. Oder sind es rein weibliche Gefühle? Diese Unterwürfigkeit? Diese Schuldannahme, wo es gar keine Schuld gibt? Dieses Verständnis, weil es ihm ja viel, viel schlechter geht als ihr? Sie hasst Lügen und lügt, um ihn ihre Schwäche nicht durch den Draht spüren zu lassen - diesen Draht, der ihr als Schlinge um den Hals liegt und sie fast umbringt, wie sie sich selbst fast umgebracht hat wegen ihm. Dass der Monolog am Telefon ein Dialog wurde, dafür sorgte Eva Steines' meisterliches Spiel. Sie ließ die Zuschauer mithören bei dem, was er sagte am anderen Ende des Drahtes und ließ sie keine Sekunde los.

Was der Handy-Generation heute das Funkloch und der leere Akku sind, war damals das Fräulein vom Amt und andere Teilnehmer in der Leitung. Jean Cocteau bewies 1933, als er 'Die menschliche Stimme' schrieb, unbewusst Weitblick. Denn im Prinzip hat sich wenig geändert - weder an Kommunikations- noch an Beziehungsproblemen. Und deshalb tat das LTS gut daran, dieses Stück in seinen Spielplan aufzunehmen.

Wer es in Hopfen nicht gesehen hat - in Memmingen im Theater am Schweizerberg ist 'Die menschliche Stimme' mit einer faszinierenden Eva Steines noch oft zu sehen.

Der neue Spielplan 2007/2008 sowie weitere Informationen über das Landestheater Schwaben finden sich im Internet:

I www.landestheater-schwaben.de

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