Duo
Albert Frey und Jürgen Geiger bieten ein hinreißendes Programm für Horn und Orgel

Als ideale Kombination erwiesen sich Orgel und Waldhorn beim Konzert in der Immenstädter Kirche St. Nikolaus. Mit Jürgen Geiger (Orgel) und Albert Frey (Horn) kam ein außergewöhnliches Duo zum Förderverein für die Orgel. Geiger ist Kirchenmusiker in Weilheim und einer der herausragenden Organisten der Region. Ein Meister der Tasten und Pedale, bei dem die Orgel die Aura der Musik-Maschine verliert und zu singen beginnt. Frey, Dekanatskantor und Kirchenmusiker in Füssen, setzt im Bereich 'Alte Musik' und als Countertenor Akzente. Das Horn war sein erstes Musikstudium. Seit einem halben Jahr widmet er sich diesem Instrument wieder und legte 'nebenher' ein Programm hin, das trainierten Profis Ehre machen würde.

Bereits in der einleitenden Choral-Fantasie von Bach über 'Jesu meine Freude', original nur für Orgel, in dieser Bearbeitung um das Horn erweitert, zeigte sich, wie raffiniert diese Instrumente zusammenpassen. Anders als eine nur darüber strahlende Trompete ist das Horn auch in der Mittellage daheim.

Es kann sich, leise gespielt, förmlich verstecken im schattigen Klangdickicht der Orgel wie ein scheuer Hirsch in einem Wald, um dann plötzlich mit kräftigem Ton wieder aufzutauchen. Durch geschicktes, abwechslungsreiches Registrieren zeigte Geiger, was in dieser Orgel alles steckt, baute vielschichtige Klang-Landschaften auf mit 'akustischer Perspektive'. Da gab es Klänge im Vordergrund und andere dahinter gestaffelt, wie in einem Bild.

Mit dem Larghetto des Hornkonzertes von Michael Haydn sorgten die Musiker für Schmelz. Als Verschnaufpausen für den Hornisten spielte Geiger verschiedene Soli: einen Bach-Orgelchoral, eine entzückende Fassung des bekannten Mozart-Klavierrondos KV 545 und dann als Orgel-Hauptwerk die Sonate Nr. 4 von Mendelssohn.

Picken wir den dritten Satz heraus: Wie in einer barocken Triosonate laufen Flöte und Oboe dahin, von Bass-Tupfern getragen. Mit dem Schwellwerk lässt Geiger den Klang 'atmen' und zeigt die Orgel einmal von ihrer zarten Saite – um dann im letzten Satz mächtig aufzutrumpfen.

Als krönenden Abschluss hatten die beiden findigen Musiker spätromantische Schätze ausgegraben, die man nirgends zu hören bekommt. Zunächst ein 'Nocturno' von Hornist Franz Strauss, dem Vater von Richard Strauss.

Im 'Grand Choeur Triomphale' von Alexandre Guilmant jubelte die Orgel mit allen Registern. Und die 'Cavatine' von Theódore Dubois war ein opulentes Klanggemälde mit Horn zum Finale. In diesen Werken schwelgte und flüsterte das Horn als sehnsüchtiger Rufer in die Ferne, als das Instrument der Romantik schlechthin.

Die Zugabe war ein Joker, pendelnd zwischen Klassik und Romantik, zwischen Formstrenge und Emotion. Ein Kabinettstück von Luigi Cherubini: die erste Sonate, original für Orgel und Horn. Sozusagen eine Zusammenfassung dieses hinreißenden Konzertes.

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