Kempten / Oberallgäu
Aktiv im Alter: Gemeinsamkeit ist Trumpf

Sie sind zwischen 51 und 84 Jahre alt und haben ein gemeinsames Hobby: Basteln. Und zwar aller Art: Filzen, Malen, Stricken - kaum eine Handarbeit, die die Gruppe im Haus der Senioren noch nicht ausprobiert hätte. «Das Töpfern ist besonders toll», sind sich die Frauen einig. Geselligkeit und die Abwechslung sind es, die sie jeden Donnerstag zusammenführen. «Außerdem hält es den Kopf frisch», ist Margaretha Köberle sicher.

Die 68-Jährige ist seit 1978 Stammgast im Haus der Senioren. Damals war die Hauswirtschaftsmeisterin eine der ganz Jungen. «Jetzt geh ich zu meinen Mädels ab 60», hat sie seinerzeit immer zu ihren Schülerinnen gesagt. Seitdem ist sie so gut wie jede Woche dabei, wenn es beispielsweise an die Seidenmalerei oder das Nähen geht.

Allgäuer Pflanzen abgelehnt

Grußkarten etwa zu Weihnachten fertigt Franziska Lindauer gern. Nach Sydney zu einer Cousine sollte einmal Post gehen, die mit gepressten Frühlingsblumen verziert war. «Der Zoll hat sie dann nicht durchgehen lassen, weil die Allgäuer Pflanzen in Australien nicht bekannt waren», schmunzelt die Seniorin, Jahrgang 1926.

Experten sind sich einig, dass diese Formen der Beschäftigung für ältere Semester wichtig sind. Nicht umsonst hält das Haus der Senioren zig verschiedene Angebote für nahezu jeden Geschmack bereit. Auch in Einrichtungen wie etwa dem Kemptener Marienheim gibt es ein umfangreiches Programm für die Bewohner.

Heimleiterin Yvonne Spöcker hat auch schon Erfahrungen mit moderner Unterhaltungselektronik gemacht: «In unserem Haus in Röthenbach läuft ein Test mit der elektronischen Spielekonsole ,Wii», berichtet sie. Computer-animierte Kegelabende wurden ausprobiert, die bei manchen auch gut ankamen. Andere stünden den neuen Methoden allerdings skeptisch gegenüber: «Demenzkranke können damit nichts anfangen.» Für manche sei schon ein normaler Tennisschläger etwas Abstraktes.

Auch Heike Hauber, Leiterin des Wiggensbacher Kapellengarten, hält die «Wii» für die meisten Bewohner nicht geeignet. «Einige haben versucht, das Bedienungsteil beim Bowling Richtung Bildschirm zu werfen.» Gut vorstellbar sei die Elektronik bei den jüngeren Gästen des betreuten Wohnens. Um auch die Bewohner jenseits der 80 rege zu halten, gibt es auch in Wiggensbach viele Möglichkeiten. Gute Dienste leisteten die Betreuungsassistenten, die die Älteren im Alltag begleiten.

Der Seniorenbeauftragte der Stadt, Lothar Köster, befasst sich seit langem mit der Mobilisierung betagter Menschen. «Männer tun sich dabei viel schwerer als Frauen», weiß der ausgebildete Gedächtnistrainer. Ihre größere soziale Kompetenz ermögliche den Damen, viel leichter in Kontakt zu treten und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Wenn die Männer sich denn aufraffen, sind auch sie freilich im Haus der Senioren bestens aufgehoben. «Tanzen ist ein Renner bei uns», erzählt Karlheinz Frick, der dem Haus vorsteht. Und die Wanderer trotzten Wind und Wetter. Wichtig sei allen Teilnehmern, gemeinsam etwas zu erleben, sich auszutauschen und miteinander zu lachen. Grad so wie in der fidelen Bastelgruppe.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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