Earth Day-Rede
Ah fein dschob, Dr. Müller!: Amerikaner und Kanadier sehen den Englisch-Auftritt des Allgäuer Bundesentwicklungshilfeministers nicht so kritisch wie viele Deutsche

Politisch ist Dr. Gerd Müller schon weit oben. Und in der Youtube-Gemeinde hat er sich vor einigen Wochen auch einen Namen gemacht: Mit seinem Auftritt in der US-Hauptstadt Washington am 'Earth Day' der Organisation Global Citizen. Unser Entwicklungshilfeminister aus dem Allgäu kündigte dort vor über 250.000 Menschen einen Videobeitrag von Angela Merkel an.

Die Bühne betrat er mit sehr viel Begeisterung für die Sache. Das Thema: Globalisierung, Kampf gegen den Hunger in der Welt, für Klima- und Umweltschutz. Doch was der Minister bei seinem kurzen Auftritt darüber zu sagen hatte, geriet angesichts seiner Aussprache rasch zur Nebensache: Sein "Ei, wott ei wott ei patty!" wurde nur noch getoppt von "Ei laff ju!"

Nur Stunden nach seinem Auftritt waren die sozialen Netzwerke voll mit Kritikern, Besserwissern, Fremdschämern und Verteidigern des Müllerschen Auftritts. Nahezu jeder hatte zum Video etwas zu sagen, auf Plattformen wie Youtube wurde es zigtausendfach geklickt, Radiosender produzierten spezielle Dance- oder Reggae-Versionen.

Aber wie schaut es überm Großen Teich aus, in den USA und Kanada? Dort, wo man von Haus aus Englisch spricht? Was sagen die Leute dort zu Müllers Auftritt? Sehen sie das so kritisch und spöttisch wie viele der Deutschen? Wir haben uns bei Redakteuren verschiedener Tageszeitungen, bei Schülern und Normalbürgern umgehört.

Audrey Cooper, Chefredakteurin des San Francisco Chronicle, gibt sich bedeckt: Sie fühle sich "nicht gut dabei, etwas zu kommentieren, über das sie so wenig weiß".

David Sands, Politik-Korrespondent der Washington Times, traut sich da schon mehr - und lobt den Minister: "Er hat's gut gemacht, ohne grobe Fehler bei Grammatik oder Wortwahl." Klar, eine tiefgründige Rede sei es nicht gewesen, aber Müller sollte ja auch nur die Videobotschaft der Bundeskanzlerin ankündigen. Und da stellt Sands fest: "He did a fine job", hat seine Sache also gut gemacht. Er glaubt nicht, dass Amerikaner sich an Müllers Englisch gestört hatten - auch wenn dessen Akzent schon "a little heavy" war. In den USA, meint er, gebe es eine breite Toleranz gegenüber Ausländern, die sich in Englisch versuchen - vor allem auch, weil viele Amerikaner selbst ja gar keine Fremdsprache sprechen. So sieht es auch Frank Binder aus dem kanadischen Windsor. Der Makler hat immer wieder mit Kunden aus dem Ausland zu tun. "Müllers Englisch ist verständlich, nur sollte er langsamer reden."

"Präzisionsmaschine" erwartet

Bettina Hoeninger, Deutschlehrerin an der Courtland High School (Spotsylvania, Virginia, USA) hat mit ihrer Klasse den Clip angeschaut: "Die übergroße Mehrzahl der Schüler fand es eher lustig, wie ein Deutscher nicht die erwartete 'Präzisionsmaschine' war, sondern ein gestandener Mann, der auch mal cool sein wollte."

Hier die Meinungen von vieren ihrer Schüler: Nick Baumgartner hält Müllers Englisch für "nicht toll. Aber ich konnte trotzdem verstehen, was er sagen wollte. Die meisten amerikanischen Politiker würden es sich nicht zutrauen, in Deutschland deutsch zu sprechen. Kennedy wurde mit einem einzigen deutschen Satz zur Legende".

Gelencia Knight meint, der Minister hätte besser deutsch mit einem Dolmetscher an seiner Seite gesprochen: "Er macht sich zum Narren, weil er die wenigen Sätze nicht genug geübt hat und seine Aussprache kaum zu verstehen war."

Grant Eubank geht mit dem deutschen Minister hart ins Gericht: "Dr. Müller macht sich zum Narren und das ist keine gute Repräsentation für die deutsche Regierung. Er braucht dringend Englischunterricht, weil er ja viel international arbeitet. Außerdem fand ich ihn auch thematisch schwach, weil er nur Schlagworte benutzt hat, die teilweise nichts mit dem Earth Day zu tun haben."

James Lewis findet Müllers Auftritt mutig: "Englisch ist keine einfache Sprache und er hat es wenigstens versucht. Er sollte konstruktive Kritik und Training bekommen, anstatt sich für ihn zu schämen."

Und der ebenso Gelobte wie Gescholtene selbst? Dr. Müller hat auf die Fragen, wie nervös er vor dem Auftritt war oder ob er sich heute anders vorbereiten würde, nicht geantwortet. Nur so viel: "Die Veranstaltung in Washington war auch vor dem Hintergrund der Vorbereitung des Weltklima- und Millenniumgipfels in diesem Jahr sehr spannend. Derzeit bin ich mit der Vorbereitung des G7-Gipfels auf Schloss Elmau beschäftigt."

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