Gymnasium
Afrikanischer Gast im Französisch-Unterricht

Die Quiches und Crêpes gehen weg wie warme Semmeln, die Schüsseln mit Mousse au Chocolat sind fast im Handumdrehen leergeputzt: Das ist der deutsch-französischer Tag am Gymnasium Immen-stadt. Eindruck macht dieser Tag allein schon über Gaumen und Magen. In der Pause drängeln sich die Schüler an Ständen in der Aula, in deren Mitte die Trikolore hängt, die französische Nationalflagge. Die Klassen haben französisch gekocht und gebacken. Aber es gibt auch geistige Nahrung, zum Beispiel ein Vorlesewettbewerb der siebten Klassen und zum Abschluss einen Film «Le papillon bleu», der blaue Schmetterling.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht allerdings Jean-Baptiste Rasetaharison. Er lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland und nennt mittlerweile Sonthofen seine zweite Heimat. Geboren und aufgewachsen ist er aber auf der großen afrikanischen Insel Madagaskar, wo man seit Kolonialzeiten französisch spricht. Der 56-Jährige studierte Elektroniker stellte den Gymnasiasten sein Herkunftsland vor.

Ehefrau war selbst Gymnasiastin

Der Kontakt mit der Schule entstand über Jean-Baptistes Ehefrau Brunhild, eine gebürtige Oberstdorferin. Sie drückte einst im Gymnasium unterm Nebelhorn die Schulbank gemeinsam mit Gerhard Eckl, heute Studiendirektor für Englisch und Französisch am Immenstädter Gymnasium. Der afrikanische Gast besucht immer wieder neunte und zehnte Klassen; und er unterhält sich dabei mit den Teilnehmern des Leistungskurses «Französisch».

Im Städtle haben sich die Gymnasiasten zusammen mit ihrem Lehrer Eckl gut auf das Gespräch vorbereitet, glaubt jedenfalls Felicia (18). Gemeinsam haben die Schülerinnen und Schüler Daten und Fakten über die Insel vor der afrikanischen Südostküste gesammelt, die 1960 ihre Unabhängigkeit von Frankreich erlangte.

«Mora, mora» - hübsch langsam

Jean-Baptiste lässt zum Auftakt Bücher über sein Heimatland Madagaskar herumgehen. Und er beschreibt, wie er als Kind gelebt hat. Da stürmen auch schon Fragen der Kollegiaten auf ihn ein, nach dem politischen System dort, nach Tier- und Pflanzenwelt, nach dem Klima. Ob er Heimweh habe, ob er in seine Heimat zurückkehren wolle, ob er etwas auf madegassisch sagen könne - all dies will man von ihm wissen.

Der Gast vom schwarzen Kontinent lächelt verschmitzt und sagt: «Mora mora» (gesprochen «mura»). Das heißt «langsamer als langsam» und spiegelt ein bisschen die Mentalität seiner Landsleute wider, schmunzelt Jean-Baptiste. Die zehn Schüler im Leistungskurs folgen mühlelos, was er auf Französisch erzählt. «Man konnte ihn gut verstehen», meint anschließend Felicia. Fabian (19) nickt: «Sehr verständlich.»

Der Schüler ist froh, auf diese Weise etwas «aus dem wahren Leben» in anderen Ländern erfahren zu können. Der 18-jährigen Ann Kathrin haben die Erzählungen des Mannes aus Madagaskar über seine Kindheit gut gefallen. Der Gast wiederum zeigt sich beeindruckt von der Neugier und der Offenheit der Schüler, von ihrem Bestreben, etwas verändern und verbessern zu wollen.

Dazu passt, dass die Schüler den Erlös aus dem Pausenverkauf der Spezialitäten einem Projekt für madegassische Straßenkinder stiften.

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