Vortrag
Abtprimas Notker Wolf regt Veränderung der Europäischen Union nach Modell der Benediktiner an

Er kann sich eine stärkere Einheit Europas vorstellen – nach dem Modell der Benediktiner: Das sagte Abtprimas Dr. Notker Wolf bei seinem Vortrag vor rund 300 Zuhörern in der Aula des Vöhlin-Gymnasiums. Er denke an ein Bündnis in der Art einer Föderation. 'Das Problem ist, dass in Europa lauter Zentralisten am Werk sind.'

Als Abtprimas müsse er weltweit die Einheit und Zusammenarbeit der benediktinischen Klöster garantieren und fördern, erklärte der 72-Jährige. Eine Aufgabe, die Parallelen zur Entwicklung der Europäischen Union aufweise.

Jedes Kloster sei bei den Benediktinern selbstständig wie jeder europäische Staat, erklärte Notker Wolf. Zuviel Autonomie sei jedoch von Nachteil und münde in Isolation. Bei den Benediktinern gebe es deshalb eine föderative Union.

'Das ist ein mühsames Geschäft, aber es funktioniert.' Die Hierarchie müsse von unten nach oben gehen, forderte der katholische Geistliche. 'Das schafft wesentlich mehr Frieden.' Eigenverantwortlichkeit bleibe so erhalten, ebenso Überschaubarkeit und Regierbarkeit. Eingriffe von oben nach unten sollte es nur im Notfall geben.

'Ich kann als Abtprimas dem Abt von Ottobeuren nichts befehlen und nichts verbieten', erläuterte Notker Wolf. Er sei deshalb immer gern gesehener Gast dort, ergänzte er mit dem ihm eigenen Humor.

Der Abtprimas mahnte vor zu viel National-Egoismus. 'Es kann uns nicht mehr gleichgültig sein, wie es anderen Volkswirtschaften geht, wir sind aneinander gebunden.' Er erinnerte an den Länderfinanzausgleich innerhalb Deutschlands. 'Das ist nicht viel anders. Wir sträuben uns immer mal wieder, aber er wird grundsätzlich bejaht.'

Den Reichtum Europas beschrieb der Abtprimas vor allem im Pluralismus der Kulturen und Sprachen und in der Wertegemeinschaft. Er sprach Werte wie die Rechtsstaatlichkeit an, die Gewaltenteilung und die Demokratie. Auch der Glaube spiele eine wichtige Rolle. 'Zu Europa gehört der Mensch in seiner Verantwortung vor Gott.' Grundlegend sei in Europa der Glaube an den Schöpfer, dass alle von Gott stammen und darum alle gleich sind.

An die Bedeutung der großen Abteien erinnert

Der oberste Benediktiner erinnerte an die Bedeutung der großen Abteien als Kulturzentren und Bildungsstätten in der Geschichte. 'Die Mönche haben den Grund für die Einheit Europas gelegt', so Notker Wolf. 'Jetzt', sagte der Abtprimas, 'durchleben wir die Geburtswehen eines Europa, das Veränderung braucht'.

Veranstaltet wurde der Vortrag vom Kreisverband der Europa-Union, vom städtischen Europabüro und vom Vöhlin-Gymnasium. Abtprimas Notker Wolf sei ein 'großer Europäer mit Vorbildfunktion', lobte Lajos Oszlári, der Vorsitzende der Europa-Union Memmingen.

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