Oberallgäu
Abtauchen in Märchenwelten?

«Harry», der magische Jüngling, ist immer noch ein echter Publikumsmagnet. Bundesweit (Platz zwei) und in den Oberallgäuer Kinos. Der inzwischen gereifte Zauber-Potter und der geheimnisvolle «Halbblutprinz» waren 2009 eindeutig die Favoriten bei den Filmliebhabern in der Region.

Lag es an den wie immer unglaublichen Abenteuern rund um die «Hogwarts»-Schule oder eher an dem «Krisenjahr», das Kinogänger in märchenhafte Welten flüchten ließ? Denn sehr beliebt waren auch der gewitzte Wikinger-Knabe «Wi-ckie» - im erfolgreichsten deutschen Film - und die gezeichneten Eiszeit-Geschichten von Sid, Manni und ihren Gefährten. Die lustigen Vierbeiner mit den menschlichen Schwächen mussten sich in der dritten Folge gewaltigen Dinosauriern stellen.

Gefragt nach den persönlichen Hits des Jahres, entpuppt sich der Geschmack der hiesigen Kinobesitzer und Betreiber als etwas differenzierter.

Manfred Deidl von der Filmburg Sonthofen und Markus Sohler, Theaterleiter im Cinecenter Oberstdorf, haben sich zum Beispiel köstlich amüsiert über «Willkommen bei den Schtis» und den «schüdfranzöschisen» Postboten, der an der belgischen Grenze auf die «Nordlichter» im Lande trifft. «Schtis» werden dort die Einheimischen genannt, wegen ihres komischen Dialekts, in dem «s» und «sch» vertauscht werden.

In dem erfolgreichsten französischen Film des Vorjahres ist, auch in der deutschen Synchronisation, Situationskomik garantiert. «Der Film ist einfach nur klasse», schwärmt Sohler. Man könne richtig herzlich lachen, über die «derben Gags» auf der einen Seite, aber auch über den «feinen Humor» auf der anderen Seite. «So richtiges Wohlfühlkino im allerbesten Sinn», lobt der Oberstdorfer den Regisseur und dessen «Liebe zu seinen Figuren».

Auf Humor, aber schwarz gefärbt, stehen auch Karl und Ildikó Seitz vom Union-Filmtheater Immenstadt. Das Paar hat den skandinavischen Film «Die Kunst des negativen Denkens» in überaus positiver Erinnerung. Fünf gebeutelte Existenzen sinnieren über den Sinn des Lebens und Leidens.

Florian Stiglhofer vom Kurfilmtheater Oberstdorf wiederum hält «Zeiten des Aufruhrs», das amerikanische Drama von den Nöten und Sehnsüchten hinter kleinbürgerlicher Vorstadtfassade, für einen der «interessantesten Filme». Leonardo di Caprio und Kate Winslet verkörpern für ihn sehr überzeugend ein Ehepaar und die «verlogene Doppelmoral» in der Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Daniela Höger vom Staufen-Filmtheater, das nach dem verheerenden Brand ein neues Domizil im katholischen Pfarrzentrum Oberstaufen gefunden hat, ist immer noch begeistert von der «Päpstin» alias Johanna Wokalek («super»). «Ganz toll, von Anfang bis Ende fesselnd», sagt sie. Albert Wittwer vom Bad Hindelanger Filmtheater wiederum war von Thema und Darstellung der «Wüstenblume» überzeugt: «Hat mir sehr gut gefallen.»

Und was kam beim Filmpublikum nicht so gut an? «Whisky mit Wodka», berichtet Wittwer. Die in Deutschland produzierte Tragikomödie über einen alternden Kinostar mit Henry Hübchen in der Hauptrolle sprach die Kinogemeinde offensichtlich nicht so gut an: Der Besuch sei «sehr übersichtlich» gewesen. Für Daniela Höger aus Oberstaufen entpuppte sich «New Moon» als überraschender Flop.

Der zweite Teil der Geschichte um den ebenso attraktiven wie einfühlsamen Jungvampir sei «ganz, ganz schlecht» angekommen. Sie habe nach der Hype um «Twilight» gedacht, «da gehen die Kiddies zwei Mal rein».

Erstaunlich wenig Zuschauer fand auch das Jackson-Memorial «This is it», mussten Manfred Deidl aus Sonthofen, Ildikó Seitz aus Immenstadt und Markus Sohler vom Cinecenter Oberstdorf feststellen. Sohler: «Da habe ich deutlich mehr erwartet. Offensichtlich gibt es in Oberstdorf nicht so viele Jackson-Fans.» Florian Stiglhofer vom Kurfilmtheater wunderte sich über das «sehr, sehr geringe» Echo auf «Che - Revolution» und «Che - Guerilla»: «Kuba und politische Geschichte sind wohl eher an den Rand des Interesses gerückt.» Auch bundesweit habe sich der Verleih mehr von der aufwendigen Produktion versprochen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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