Abschied von alter Tradition

Marktoberdorf | sg | Eine ganze Straße ist nach ihr benannt. 83 Jahre hat das Gebäude, in dem sie residierte, schon auf dem Buckel: die Post. Gestern herrschte dort noch einmal reges Treiben. Um 17.30 Uhr schlug ihr die letzte Stunde. Und die meisten ihrer Kunden, die wir vor der Tür befragten, fanden dies 'schade', 'blöd' oder gar 'unverschämt', dass der Postschalter von hier in den Kaufmarkt verlegt wird. Einigen war es aber auch egal, wieder andere zeigten Verständnis, wenn die Veränderung aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist.

Das Spektrum der Meinungen ist groß. Hier war doch immer was los. Ich finde es nicht korrekt, eine Filiale zu schließen, die so gut läuft', meint Christine H., die die zentrale Lage des Postgebäudes hervorhebt. Auch Nadine O., die täglich Geschäftspost abgegeben hat, schimpft. 'Total blöd' findet sie die Verlagerung des Service-Schalters. Die junge Frau meint: 'Die Post hat im Kaufmarkt nichts zu suchen' und überlegt, ein benachbartes Postamt anzufahren.

Erwägungen, die Bank zu wechseln, stellt Florentina E. an. Auch sie hat die Post regelmäßig genutzt, findet es aber einen schlechten Service, sich die Kontoauszüge nur noch zuschicken lassen zu können. Bedenken habe sie, künftig ihre Bankgeschäfte am Agentur-Schalter abzuwickeln. Entsetzt ist Elfriede F. über die Veränderung. 'So viele Leute stehen hier immer an', kann sie nicht verstehen, wie eine gut gehende Filiale zugemacht werden kann. Man müsse auch an die Leute aus Marktoberdorf-Nord denken, für die das Postgebäude zentraler lag als die jetzige Partner-Agentur.

Ein Parkplatz ist wichtig, und der neue Schalter ist ja dann auch über Mittag offen', denkt Peter H. über Vorteile nach, die die Neuerung immerhin mit sich bringe. Noch ist er sich zwar nicht ganz sicher, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen. Aber große Bedenken habe er nicht.

Zwei Seelen wohnen in meiner Brust', meint auch Günter Weilguni. Einerseits sei Post auch immer mit Tradition verbunden, die ungern aufgegeben werde. Andererseits seien es wirtschaftliche Gesichtspunkte, die die Veränderung wohl notwendig machen. Richtig wäre es natürlich, wenn die Einsparung an den Kunden weitergegeben würde.

Mit Tradition hat die Post in Marktoberdorf auch für Karin Berchtenbreiter zu tun: 'Sie gehört hierher', meint sie. Weil man es so gewohnt war. Einmal im Monat ist sie zur Post gekommen. Künftig aber wird auch sie den Post-Service an der Bahnhofstraße in Anspruch nehmen.

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