Kempten
Abfuhr für den «freundlichen Kemptener»

Ein weltoffener Bürger, ortskundig, vielleicht sogar mit einem detailgenauen Stadtplan ausgestattet, dazu ein Schildchen am Jackenaufschlag mit dem Text «Freundlicher Kemptener» - so oder so ähnlich könnte sich FDP Stadtrat Ullrich Kremser eine Art «Ministadtführer» vorstellen. Im Hauptausschuss erntete er damit allerdings mehr Spott als Unterstützung.

Dass es in dem Gremium etwas zu lachen gibt, ist nicht die Regel. Schließlich geht es zur Zeit meist darum, den Mangel in den öffentlichen Kassen zu verwalten. Am Montagabend herrschte allerdings allgemeine Heiterkeit: Kremsers Antrag stieß zunächst auf Unverständnis, dann nahmen etliche Räte seine Idee ironisch aufs Korn.

Kremser schwebte vor, Einheimische kenntlich zu machen, die Auskünfte über die Stadt geben können. Die Gäste könnten so einen positiven Eindruck von Kempten mitnehmen.

«Grundsätzlich ein sympathischer Antrag», meinte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer. Touristen sollten sich wohl fühlen in der Stadt.

Die Frage sei allerdings, ob der Vorschlag zum Ziel führe: Was soll auf einem derartigen Ansteckschild stehen, damit der Urlauber weiß, was gemeint ist? Und leben dann zweierlei Leute in der Stadt - freundliche mit dem Button und die anderen sind alle massig?

«Man hätte fragen sollen, ob es überhaupt Leute gibt, die so einen Badge tragen», meinte Helmut Hitscherich (UB/ÖDP). Selbst die Stadträte, die ja gemeinhin als Vorzeige-Vertreter ihrer Kommune gelten, hatten beim eigenen Revers so ihre Bedenken. Schwierig werde es zudem, wenn es um Detailkenntnisse geht.

Erwin Hagenmaier stieß ins gleiche Horn: «Sollen die Leute dazu ein Seminar besuchen?» Er geht jedenfalls davon aus, «dass nahezu jeder Kemptener freundlich ist». Warnwesten brachte er als mögliche Kennung ins dann schon nicht mehr ernst gemeinte Gespräch.

«Ich kann mir gar nicht vorstellen, warum man diesen Antrag stellt», sagte Hildegard Greiter (CSU), die sich auf keinen Fall ihre Oberbekleidung zerstechen oder verkleben will. Sie setzt auf Fremdenführer und Tourist-Info.

Letztlich fand der Oberbürgermeister eine versöhnliche Formulierung für die Ablehnung des Vorschlags: «Wir sehen uns in dieser Form nicht in der Lage, dem Antrag näher zu treten.» Da gab es keine Gegenstimme.

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