Special Hochzeit SPECIAL

Kempten
9.9.1944 und seit 65 Jahren «glücklich und zufrieden miteinander»

Für alle Frischgetrauten, die am 9. 9. den Bund fürs Leben schlossen, hält Maria Müller einen Ratschlag bereit. «Gern muss man sich haben», sagt die 86-Jährige, «dann kann man viel schlucken und kommt gut miteinander aus.» Die Kemptenerin muss es wissen. Gestern feierte sie mit ihrem Mann Eugen (87) Eiserne Hochzeit.

65 Jahre seien die Müllers gemeinsam durch ein bewegtes Leben gegangen, betonte Bürgermeister Josef Mayr. Er gratulierte mit Geschenkkorb, Blumen und der «Patrona Bavariae» in Gold.

Es sind bittere Kriegszeiten, als sich die jungen Leute begegnen. Eugen Müller ist gerade aus Libyen zurück, wo er bei einem Kriegseinsatz die rechte Hand verlor. Eben hat er das Lazarett in München verlassen und sitzt mit seinen Kameraden in der Gaststätte «Grinzing». Am Tisch gegenüber blinzelt ihm eine junge Frau zu - Maria, die sich nach einem Zwölf-Stunden-Tag im Sanitätsdienst einen Abend mit einer Freundin gönnt. Sie schreibt auf einen Zettel: «Du, du liegst mir am Herzen.» Maria steckt die Nachricht in eine Flasche, die sie dem Fremden zukommen lässt.

Beide tauschen Adressen aus. Eugen Müller verschlägt es nach Bad Homburg. Doch den Briefkontakt zu dem Mädchen aus dem «Grinzing» unterbricht er nie. Nach der Entlassung aus der Wehrmacht besucht er seine Maria in ihrer Heimat: Stötten am Auerberg.

Am 9. 9. 1944, ein zufälliges Datum, feiern Maria und Eugen Müller in Kempten Hochzeit. Ihre Festtagskleidung müssen sie ausleihen. Immerhin reicht es für ein Essen im «Winkel», der heutigen Gaststätte «Schalander». Danach geht es nach Stötten, denn Marias Eltern feiern am selben Tag Silberhochzeit. Doch der Krieg funkt dazwischen: Mitten auf der Fahrt müssen sie inne halten und wegen Fliegeralarms eineinhalb Stunden in einem Luftschutzkeller verbringen. Dann endlich kann die doppelte Hochzeit gefeiert werden. «Mit einem schwarz geschlachteten Kalb und einer halben Flasche Schnaps», erinnert sich der 87-jährige Ehemann.

Zunächst lebten die Müllers in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Nach der Geburt von Tochter Heike zogen sie 1946 in die Fußgängerzone. Eugen Müller arbeitete fast 30 Jahre bei der Firma Ott. Ehefrau Maria trug mit Heimarbeit zum Lebensunterhalt bei, später arbeitete sie in der Firma Denzler und bearbeitete Aufträge in der Druckerei Mark. «Bis heute sind wir glücklich und zufrieden miteinander», versichern beide.

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