Abschiebungen
767 Anträge auf Asyl wurden 2015 im Allgäu abgelehnt

Tausende von Flüchtlingen kommen nach wie vor jede Woche nach Deutschland. Gemäß eines Verteilungsschlüssels werden viele von ihnen in unsere Region weitergeleitet. 6.890 Flüchtlinge wohnen nach Auskunft der Regierung von Schwaben aktuell im Allgäu und warten darauf, dass ihr Asylverfahren abgeschlossen wird.

Im Jahr 2015 wurden 767 Asylverfahren im Allgäu abgelehnt. Das teilten die Landkreise und kreisfreien Städte mit. Es betraf durchwegs Menschen vom Westbalkan - aus dem Kosovo, Serbien und Albanien. Länder also, die als sicher gelten. Die Betroffenen hätten alle Deutschland verlassen müssen. Doch 174 Flüchtlinge widersetzten sich diesem Gebot.

Wird ein Antrag auf Asyl abgelehnt, teilt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg dem betreffenden Landratsamt oder der betreffenden kreisfreien Stadt mit, dass der Flüchtling ausreisen muss. Das taten 2015 die meisten abgelehnten Asylbewerber auch, nämlich 429. 'Viele wissen, dass es keinen Sinn mehr macht, hier zu bleiben, und reisen aus', sagt beispielsweise Andrea Hiemer, Sprecherin der Stadt Kaufbeuren. Die Betreffenden erhalten dann eine Grenzübertrittsbescheinigung, die sie an der Grenze abstempeln lassen müssen.

Dieser Vorgang wird dann der Stadtverwaltung oder dem Landratsamt gemeldet. 'So wird kontrolliert, ob derjenige das Land auch wirklich verlassen hat', sagt Hiemer. Erfolgt die Rückmeldung nicht, wird der Flüchtling zur Fahndung ausgeschrieben, weil man davon ausgehen kann, dass er in Deutschland untergetaucht ist. Die freiwillige Ausreise muss der abgelehnte Asylbewerber in der Regel selbst bezahlen, sagt Kaufbeurens Rechtsdirektor Thomas Zeh.

Unterstützung aus Krumbach

Das ist wohl ein Grund dafür, dass sich manche Flüchtlinge lieber abschieben lassen. Das läuft dann folgendermaßen ab. Polizisten der örtlichen Inspektion erscheinen unangekündigt und meist in aller Frühe in der Flüchtlingsunterkunft und nehmen die Betreffenden mit. Oft werden die Polizisten von der Sondergruppe 'Schubwesen' unterstützt. Diese ist bei der Polizeiinspektion Krumbach beheimatet, fährt mit größeren Transportfahrzeugen durch Schwaben und sammelt die Flüchtlinge in den verschiedenen Inspektionen ein. Diese werden dann zum Münchner Flughafen gebracht und ins Flugzeug gesetzt.

Diesen Vorgang trägt der Steuerzahler. Bei der Abschiebung gibt es zwar manchmal Debatten mit den abgelehnten Asylbewerbern. Aber Auseinandersetzungen fänden nicht statt, sagt Hans Willbold, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. 164 Mal wurden Flüchtlinge 2015 im Allgäu abgeschoben. Im gleichen Zeitraum entzogen sich 174 Migranten im Allgäu aber einem solchen Verfahren. Viele verschwinden aus der Asylunterkunft und tauchen unter.

'Keiner ist ja wirklich überrascht von der Ausweisung, denn jeder erhält ja erst die Aufforderung, freiwillig auszureisen', sagt Willbold. So mancher Flüchtling rechnet sich dann aus, wann die nächste Abschiebung stattfindet, auch wenn diese nicht angekündigt wird - und macht sich vorher aus dem Staub. Dann wird nach ihm gefahndet.

Zurück in die Unterkunft

Wird er aufgegriffen, bringt ihn die Polizei zurück in seine Asylbewerberunterkunft, sagt Kaufbeurens Rechtsdirektor Zeh. Von dort aus wird dann erneut versucht, ihn abzuschieben. Zwar bestehe natürlich die Möglichkeit, dass der Flüchtling sich wieder absetzt. Aber so sei das Prozedere nun einmal vorgeschrieben, sagt Zeh.

Manche abgelehnte Asylbewerber tauchen zwar nicht unter, schaffen es aber trotzdem, sich der Abschiebung zu entziehen - indem sie schwere gesundheitliche Probleme geltend machen oder einen juristischen Kniff finden, Rechtsmittel gegen die Abschiebung einzulegen.

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