Fürstensaal Classix
7. Internationales Festival der Kammermusik im Kemptener Stadttheater

'Kammermusik mit Paprika' lautet das Motto des 7. Internationalen Festivals der Kammermusik (Fürstensaal Classix), das vom 16. bis 23. September im Kemptener Stadttheater über die Bühne geht. 24 renommierte Kammermusiker studieren eine Woche lang in unterschiedlichen Besetzungen Konzertprogramme ein, in deren Mittelpunkt Werke ungarischer Komponisten stehen.

Michael Dumler unterhielt sich darüber mit dem künstlerischen Leiter des Festivals, Oliver Triendl (Jahrgang 1970).

Herr Triendl, Sie sind Konzertpianist, sind viel unterwegs, spielen mit großen Orchestern, geben aber auch Kammer- und Solokonzerte. Hand aufs Herz: Ungarische Musik, da denkt man doch an Béla Bartók und vielleicht noch an Zoltán Kodály. Aber ansonsten findet ungarische Musik in den Konzertsälen doch eher weniger statt.

Triendl: Ja, eigentlich wird die ungarische Musik tatsächlich immer gern auf diese Klassiker Bartók und Kodály begrenzt. György Ligeti und György Kurtág sind sicher auch noch bekannt. Dabei gibt es in Ungarn noch viele andere, leider bei uns weitgehend unbekannte Komponisten. Genau hier wollen wir mit unserem Festival ansetzen. Wir wollen zeigen, dass es nicht nur den 'Mount Everest Bartók-Kodály' gibt, sondern noch viele andere großartige Komponisten-Berge.

Wie haben Sie sich der ungarischen Musik genähert?

Triendl: Ich bin nach Budapest gefahren und habe mich dort mit vielen Musikern unterhalten, Kontakte geknüpft. Eine wichtige Anlaufstelle war für mich der berühmte Musikverlag Editio Musica Budapest, in dem die meisten Komponisten ihre Werke verlegt haben. Eine Vertreterin des Verlags wird übrigens auch zum Classix-Festival anreisen. Mich hat schnell fasziniert, wie viel Lohnendes es gibt. Dabei stößt man auch auf so Leute wie Antal Doráti (1906 – 1988) und George Szell (1897 – 1970), die eigentlich als Dirigenten bekannt wurden. Aber sie haben auch wunderbare Stücke komponiert, was kaum jemand weiß.

Im vergangenen Jahr ging zwei Konzerten jeweils ein 45-minütiger Prolog voraus. Diesmal gibt es sogar drei Prologe. Unter anderem wird das Pianisten-Ehepaar Izabella Simon und Dénes Várjon vierhändig aus Kurtágs 'Spiele' und Bach-Transkriptionen spielen. An einem anderen Abend steht der 'Tanz der Großmutter' von László Sáry für Fagott und CD-Spieler auf dem Programm. Sind diese Prologe ein Platz für Ungewöhnliches?

Triendl: Sagen wir es so: Festivalorganisator Dr. Franz Tröger und ich haben nach einer zusätzlichen Plattform gesucht, auf der wir etwas in komprimierter Form beleuchten können. Schließlich wollen wir unsere Festival-Themen möglichst reichhaltig präsentieren. So ein Prolog soll aber ruhig auch für sich stehen. Es ist ein zusätzliches für Konzertbesucher kostenfreies Angebot.

'Composer in Residence' ist László Tihanyi, der auch für eine Uraufführung verantwortlich ist

Triendl: Ja. Tihanyi stammt aus Budapest und gehört in Ungarn zu den erfolgreichsten Komponisten. Er hat eine ganz eigene Sprache entwickelt, die sehr interessant, inspiriert und spannend ist. Harmonisch gesehen finden sich durchaus Anleihen bei Bartók. Wir werden vier Werke von ihm aufführen, die unterschiedlich sind hinsichtlich Form, Harmonien, Rhythmus und Farben. In 'Rundherum', dem Auftragswerk unseres Festivals, werden Geiger und Bratscher auf der Bühne umherwandern. Bei den öffentlichen Proben kann man die Erarbeitung dieses dreidimensionalen Klangerlebnisses miterleben. Da kann es passieren, dass der Komponist die Partitur noch leicht abändert. Dies kommt in einem fruchtbaren Dialog zwischen Komponist und Interpreten schon einmal vor.

Nun kommt aber noch ein weiterer Komponist nach Kempten, der 'Composer in Residence' des Jahres 2009 war, der Norweger Ragnar Söderlind. Auch er steuert eine Uraufführung bei. Wie kam es dazu?

Triendl: Zwischen Ragnar und mir hat sich seit dem 2009er Festival eine schöne Freundschaft entwickelt. Söderlind hat im Nachklang auf das damalige Classix-Festival, das der skandinavischen Musik gewidmet war, für mich ein Klavierquartett geschrieben. Ich habe ihm vor einigen Monaten von unserem Ungarn-Festival erzählt. Spontan kam ihm die Idee, ein Erlebnis, das er in einer Stadt in der Nähe von Budapest hatte, musikalisch zu beschreiben.

24 Kammermusiker werden in unterschiedlichen Besetzungen auftreten. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern angereist: Finnland, Norwegen, Russland, Frankreich, Ungarn etwa. Es gibt einige bekannte Gesichter, andere sind neu.

Triendl: Ja, ich möchte, dass immer Frischluft da ist. Es geht darum, Musiker mit viel Enthusiasmus und Esprit ins Allgäu zu locken. Sie sollen sich eine Woche lang offen, flexibel und elastisch mit der jeweiligen Musik beschäftigen. Darin liegt ein großes Inspirationspotenzial. Das ist ein Kernpunkt des Festivals. Es entsteht eine große kollektive Energie.

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