Arbeitsmarkt
62-Jähriger erzählt, wie es sich anfühlt, nach längerer Suche eine neue Stelle zu finden

«Ich war am Boden. Jetzt schwebe ich, kann mein Leben wieder genießen.» Das sagt ein Memminger, der trotz langer Krankheit und fortgeschrittenen Alters jetzt wieder eine Arbeitsstelle gefunden hat. Der Mann, der anonym bleiben möchte, ist gelernter Industriemeister im Bereich Druck - und 62 Jahre alt.

In diesem Alter eine neue Stelle zu finden, ist laut Arbeitsagentur nicht alltäglich. Denn mehr als ein Drittel aller Erwerbslosen im Memminger Raum ist über 50 Jahre alt.

«Hier muss ein Umdenken stattfinden», mahnt Peter Rasmussen, Leiter der Memminger Arbeitsagentur. «Die demografische Entwicklung ist unaufhaltsam und angesichts des Fachkräftemangels kann es sich die Region nicht leisten, auf ältere Arbeitskräfte zu verzichten.» Von 1861 Erwerbslosen im Memminger Raum sind derzeit 660 zwischen 50 und 65 Jahre. «Hier verbirgt sich schlummerndes Potenzial», betont der Agenturchef.

Anreize schaffen

Als Anreiz, ältere Bewerber einzustellen, zahlt die Agentur den Arbeitgebern in bestimmten Fällen einen so genannten Eingliederungszuschuss. Dieser greift laut Agentursprecher Reinhold Huber, wenn «Vermittlungs-Hemmnisse» bestehen. Beispielsweise, wenn der Bewerber im Vorfeld längere Zeit krank war - wie der 62-jährige Memminger: Er hatte einen Herzinfarkt.

Der Eingliederungszuschuss kann gemäß Rasmussen bis zu 50 Prozent des Nettoentgelts betragen und drei Jahre gezahlt werden.

Umgekehrt gibt es auch für ältere Erwerbslose eine Förderung, wenn sie eine neue Stelle antreten: den so genannten Entgeltzuschuss. Dieser kann genehmigt werden, wenn die neue Stelle schlechter bezahlt ist als die vorherige. Beim Entgeltzuschuss wird zum Lohn etwas dazu gezahlt. Diese Förderung läuft zwei Jahre. Auch der 62-Jährige profitiert davon, erzählt er - winkt aber gleichzeitig ab: «Was ich verdiene, ist für mich Nebensache. Hauptsache, ich werde wieder gebraucht.»

Bei seinem neuen Arbeitgeber, einer Fotosatz-Firma, wird er ab April in der Qualitätssicherung arbeiten, wird Bücher mitgestalten, Layouts entwickeln und Auszubildende betreuen. «Da lebst Du wieder auf, nach so einer Zusage.»

«Nicht resignieren»

Arbeitslosen seiner Generation rät er: «Nicht resignieren und nicht beirren lassen. Auch wenn andere erzählen, dass sie bei der Jobsuche wenig erfolgreich waren.» Sehr wichtig sei auch: «Sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.» Das bestätigt Rasmussen: «Ältere sind meist berufserfahren und qualifiziert. Und klassische Tugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Engagement sind bei ihnen besonders ausgeprägt.» Auch sei erwiesen, dass altersgemischte Teams die Produktivität steigern. Dennoch hat der Anteil der über 50-Jährigen an der Arbeitslosenquote in den vergangenen Jahren zugenommen.

Während der Anteil der unter 25-Jährigen sank: von 14 Prozent im Februar 2009 auf 8,7 Prozent im gleichen Monat 2011.

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