Lindenberg
40-mal am Tag Hände waschen

Die Hygiene-Bedingungen in der Rotkreuzklinik erfüllen den höchsten Standard. Das versichert Dr. Matthias Finke, Oberarzt der Chirurgie und Hygiene-Beauftragter am Lindenberger Krankenhaus. Den Vorwurf von Experten, die Hygiene sei in vielen Kliniken mangelhaft, macht man sich in Lindenberg nicht zu eigen. Im Gegenteil: die Leitlinien und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts «formulieren wir als Dienstanweisungen», sagt Finke. Er selbst überprüft das durch unerwartete Stichproben mit UV-Licht bei allen Mitarbeitern. Zudem wird die Klinik von einem renommierten Freiburger Hygieneinstitut betreut, an dem sich Finke jährlich fortbildet. Gesundheitsamt und Gewerbeaufsichtsamt machen regelmäßig Begehungen im Haus. «Schwachstellen werden danach sofort abgestellt» stellt Finke fest.

Händewaschen wird geübt

«Mein Hauptansatz ist die Händedesinfektion». Das predigt Finke ständig allen Mitarbeitern, bis sie es verinnerlicht haben. Das sei «der Hauptschlüssel zur Vermeidung von Infektionen», ist er überzeugt.

Die Pflegedienstleiterin Gabi Fischer-Reng betont, dass selbst Praktikanten über das Hygieneverhalten informiert und praktisch geschult werden, indem mit ihnen das Händewaschen geübt wird. «Wir sagen ihnen, dass sie das ruhig bis zu 40-mal am Tag machen können», berichtet die Oberschwester.

Fischer-Reng und Finke sind sich einig: «Bei uns braucht sich kein Patient sorgen.» Dass jemand aufgrund von Keimübertragung durch das Personal eine Wundinfektion, eine Lungenentzündung oder eine Blutvergiftung bekommen könnte, hält Finke für praktisch ausgeschlossen.

«Ich habe hier noch keinen Fall erlebt, dass ein Patient daran gestorben wäre», versichert er, der seit sieben Jahren an der Rotkreuzklinik arbeitet, und fügt hinzu: Bei diesen ernsten Fällen habe der Patient die Keime schon mitgebracht.

Solche Risikopatienten werden in Lindenberg sofort isoliert, damit sie nicht andere Kranke anstecken können. Und die Oberschwester bekräftigt: «Da habe ich mehr Angst, mir beim Einkaufen in der Stadt einen Virus einzufangen als hier im Krankenhaus.» An die 100000 Euro gibt das Krankenhaus im Jahr für Hygienemaßnahmen aus, das Personal nicht miteingerechnet, schätzt Fischer-Reng. «Wir tauschen zum Beispiel alle vier Wochen die Filter an jedem Wasserhahn aus», geht Finke ins Detail bei den Vorbeugemaßnahmen.

Doch nicht nur bei Ärzten, Pflegern und Schwestern greifen strenge Vorschriften, sondern auch bei den Instrumenten wie Kathedern, Schläuchen oder Endoskopen. «Das kann man sich als Laie gar nicht vorstellen, was da für ein Aufwand getrieen wird», sagt der Oberarzt. «Selbst in der Küche greifen besondere Anweisungen», merkt Finke noch an, denn auch durch die Nahrung könnten Keime ans Krankenbett kommen.

Die Todesfälle in Mainz, die derzeit bundesweit in den Schlagzeilen sind, beunruhigen in Lindenberg nicht. «Wir stellen keine Infusionslösungen selber her», erklärt Finke, der dort «Schlamperei der Mitarbeiter» mutmaßt.

Politiker-Forderung überflüssig

Bis zu 40000 Menschen sterben jährlich, weil sie sich mit Krankenhauskeimen infiziert haben, schätzen Fachleute. Dazu sagt Finke: «Das sind meistens Patienten, die schwerste Operationen wie Transplantationen hinter sich haben und deshalb massiv abwehrgeschwächt sind.» Solche Operationen werden in der Rotkreuzklinik gar nicht vollzogen. Die Politiker-Forderungen nach strengeren Regeln und Gesetzen hält Finke für überflüssig. Das sei «Sommerloch-Gerede». Es reiche, die bekannten Richtlinien konsequent umzusetzen, wie es in Lindenberg der Fall sei.

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