Urteil
320.000 Euro erschlichen: Kemptner Landgericht verurteilt Tunesier wegen Betrugs

Ein 39-Jähriger hat über vier Jahre hinweg ein Ehepaar aus Sonthofen um 280.000 Euro geprellt. Eine betagte Frau betrog er um 40.000 Euro. Der aus Tunesien stammende Mann verplemperte einen Großteil des ergaunerten Geldes in Spielotheken und bei Sportwetten. Am Dienstag verurteilte ihn das Kemptener Landgericht zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Das Urteil ist rechtskräftig.

Das aus christlicher Motivation sozial engagierte Ehepaar hatte den Angeklagten kurz vor 2009 kennengelernt. Damals kam dieser gerade aus einer psychosomatischen Klinik, hatte Hunger und keinerlei Winterkleidung. Schnell erschlich sich der Mann das Vertrauen des Ehepaars. So habe der Mann später erzählt, seine Mutter sei gestorben und die Beerdigungskosten hoch, berichtete im Zeugenstand der geschädigte 72-jährige Rentner.

Der Betrüger erzählte dem Ehepaar, seine Schwester habe sich das Leben genommen und mehrere Angehörige seien bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. So erreichte er, dass das Ehepaar ihm immer wieder Geldbeträge zwischen 50 und mehreren tausend Euro zur Verfügung stellte - insgesamt sind in der Anklageschrift über 250 Auszahlungen aufgelistet.

Das Ehepaar stellte ihm das Geld gutgläubig zur Verfügung und in der Hoffnung, es zurückzubekommen. Denn der vermeintlich hilfsbedürftige Betrüger habe geltend gemacht, dass er in seiner Heimat über ein Grundstück im Wert von 60.000 Euro und ein Haus im Wert von 200.000 Euro verfüge, sagte der 72-jährige Rentner vor Gericht.

Im März dieses Jahres meldete sich der jetzt Angeklagte per E-Mail bei seinen Opfern, dem Rentnerehepaar: 'Ich bin ein Lügner und ein Betrüger.' Er habe ein sehr schlechtes Gewissen und immer wieder schlaflose Nächte. Er entschuldigte sich für seine Taten und ließ wissen: 'Es tut mir leid, dass ich nicht die Wahrheit gesagt habe.' Der Mann gelobte in der E-Mail Besserung, genauso wie am Dienstag vor Gericht.

Tränen in den Augen

Der Rentner als geschädigter Zeuge macht sich keine Illusionen. Er müsse davon ausgehen, dass er das Geld wohl nie wieder sehen werde. Finanziell ruinieren werde ihn dies aber nicht, räumte der Mediziner ein. Der Angeklagte legte mit Tränen in den Augen den Kopf auf seinen Arm und bat ihn um Vergebung.

Aufgeflogen war der Betrug nicht etwa durch eine Anzeige des Ehepaars, sondern durch den Hinweis einer Bank wegen des Geldwäsche-Gesetzes. In einem anderen Fall betrog der Angeklagte eine 84-jährige Frau um 40.000 Euro. Der Staatsanwalt forderte für den 39-Jährigen vier Jahre Haft wegen gewerbsmäßigen Betrugs in einem besonders schweren Fall. Für den Angeklagten spreche sein Geständnis und die späte Reue. Andererseits sei der 39-Jährige bereits vorbestraft und der Gesamtschaden ungewöhnlich hoch.

Der Verteidiger meinte, die Geschädigten hätten es dem Angeklagten leicht gemacht. Sein spielsüchtiger Mandant sei in einen regelrechten Teufelskreislauf geraten. Auch der Verteidiger hielt vier Jahre Haft für angemessen. Die Freiheitsstrafe in Höhe von drei Jahren und neun Monaten nahm der Angeklagte an. Auch die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Rechtsmittel.

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