Lindau / Westallgäu
3000 wollen Merkel sehen

«Angie» steht weiß auf orangenem Grund auf den Plakaten geschrieben. Dutzendfach sind sie an der Lindauer Promenade zu sehen. 3000 Besucher, schätzt die Polizei, haben sich dort am Sonntagmittag versammelt, um den Wahlkampfauftritt von Kanzlerin Angela Merkel zu erleben.

Lange bevor die Regierungschefin in Lindau eintrifft, stehen die Besucher dicht an dicht. Unter ihnen sind gut 500 Landwirte. Georg Sutter aus Harbatshofen (Westallgäu) ist einer von ihnen. Die Kuhschelle über der Schulter, ein Transparent in der Hand, steht er zusammen mit anderen Landwirten aus Stiefenhofen an der Promenade. «Wir hoffen, dass es nach oben dringt, wie schlecht es uns geht», sagt Sutter. «Zeit für die neue Wende», steht auf seinem Transparent geschrieben.

Seit vergangenen Montag beteiligt er sich wie viele seiner Kollegen am Streik und schüttet die Milch weg, obwohl ihm das schwerfällt. «Es ist schade, dass man zu solchen Mitteln greifen muss, um von der Politik gehört zu werden», sagt er.

Als die Kanzlerin mit Bayerns Justizministerin Beate Merk, CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und Dr. Gerd Müller auf dem Platz eintrifft, mischt sich der Klang hunderter Kuhglocken unter die Musik der Rolling-Stones, die als Begrüßung gedacht ist.

Die Kanzlerin nimmt den Protest auf, bevor sie ihre eigentliche Wahlkampfrede beginnt. Sie spricht von einer «europäischen Front», an der Landwirtschaftsministerin Aigner und ihr Staatssekretär Dr. Gerd Müller für einen höheren Milchpreis «kämpfen». Zwei Botschaften hat sie parat: Die Landwirte fordert sie auf, den Zwist zwischen Bauernverband und dem Bund deutscher Milchviehhalter zu überwinden. («Wir wissen nicht welche Positionen wir in Brüssel vertreten sollen») und bietet den Landwirten an, sich mit ihnen nach der Wahl an einen Tisch zu setzen.

An die anderen Besucher richtet die Kanzlerin die Aufforderung, beim Einkauf darauf zu achten, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. «Gute Produkte haben auch ihren Preis», sagt sie.

In Lindau läutet Merkel die heiße Phase des Wahlkampfes ein. Zwischen Auftritten in Friedrichshafen und Waging am See spricht sie 45 Minuten an der Hafenpromenade. Locker präsentiert sich die Kanzlerin dem Wahlvolk, lässt sich auch durch Zwischenrufe eines Häufchens Linker (Merkel: «Lassen wir sie schreien») nicht irritieren.

Merkel wirbt für eine «starke Union». «Es geht um klare, stabile Verhältnisse», sagt sie, gerade mit Blick auf die wirtschaftliche Lage, die für die Kanzlerin eine «gigantische Aufgabe» ist. Schnelles, nachhaltiges Wachstum sieht sie als Chance, die Talsohle zu verlassen.

Schwerpunkt Innenpolitik

Merkel konzentriert sich bei ihrem Auftritt ganz auf die Innenpolitik, die Felder, auf denen sie die Union besonders gut aufgestellt sieht. Die Familienpolitik gehört dazu. Sie verweist auf die Absicht, die Zahl der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zu erhöhen. Betreuungsgeld soll es aber auch für Eltern geben, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Nicht das einzige Mal, dass lauter Beifall aufbrandet.

Die Kanzlerin verlässt Lindau nicht mit leeren Händen. Staatssekretär Dr. Gerd Müller und die Hutkönigin übergeben ihr einen Rucksack samt zweier Hüte aus Lindenberg und «Köstlichkeiten, die die Region zu bieten hat».

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