Maierhöfen
30 Kilometer bis nach Hause

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Schon von weitem kann man sie hören: Die über 200 Tiere, die sich im Tross mit fast 60 Treibern auf ihrem Heimweg vom Sommerquartier auf dem Hochgrat zum Viehscheid in Maierhöfen befinden. Tausende Besucher in Maierhöfen erwarten die Herde schon ungeduldig an den Straßen. Man ratscht, man wartet, man sucht sich den besten Platz, den es auch nach Kräften zu verteidigen gilt. Doch was die Einheimischen und die Touristen beim Spektakel mit Volksfestcharakter fast vergessen: Welche Anstrengungen Mensch und Tier hinter sich haben. Viereinhalb Stunden dauert der Marsch vom Hochgrat bis ins heimische Maierhöfen. Im Allgäu ist es für Mensch und Tier der längste Heimweg vom Sommerquartier in den Alpen.

Alpmeister Herbert Mader legt wohl noch viel mehr als die 30 Kilometer Wegstrecke zurück. «Ich bin verantwortlich für den Zug und muss schon das ein oder andere Mal bis zum Zugende und dann wieder nach vorne.» Die Anstrengung, aber auch die Zufriedenheit steht Mader ins Gesicht geschrieben: «Alles ist gut verlaufen.» Trotz des zu Beginn regnerischen Alpsommer kann er nicht klagen: «Im Grunde genommen war kein schlechter Sommer.»

Seit 30 Jahren schon dabei

Am Viehscheid-Tag geht es früh los. Doch am Abend zuvor sitzen die Hirten und Treiber noch gemütlich beisammen. Oft heißt es dann nur: «Der Tag war lang, die Nacht war kurz». Herbert Fink hat dies schon einige Jahre mitgemacht. Der Hirte, der auf der Unterlauchalpe seinen Alpsommer verbringt, feiert sein persönliches Jubiläum: «30 Jahre mache ich das schon - und vorstellen kann ich mir nichts anderes.»

Mit dem Sommer am Hochgrat war Fink eigentlich zufrieden. «Der schöne August hat es noch raus gerissen.» Doch was ihn dieses Jahr beim Viehscheid merklich bedrückt: Er konnte nur zwei Kranzrinder ins Tal bringen. Denn einen Tag vorm Viehscheid ist ein Rind abgestürzt - Genickbruch. Das schmerzt. «Dieses Jahr war der Hund drin. Seit zehn Jahren ist gar nix passiert.

Und dann das». Dennoch: Der Viehscheid ist auch für ihn und seine Frau Renate immer etwas besonderes. Nicht ganz ohne Stolz kommen Hirten und Treiber in Maierhöfen unter den Augen vieler vieler Schaulustiger an.

Doch für die Finks ist der Viehscheid, der von der Weidegenossenschaft Maierhöfen organisiert wird, nur von kurzer Dauer. Für sie ist der Sommer noch nicht zu Ende. Während die anderen feiern, geht es für sie am gleichen Tag zurück auf die Unterlauchalpe. Sechs weitere Wochen bewirtschaften sie die Alpe und versorgen ihre eigenen drei Kühe, vier Rinder und einen Esel.

TV-Tipp: Über die Familie Fink hat das SWR-Fernsehen bereits 1991 einen Film gedreht. 18 Jahre später besuchte ein Fernsehteam erneut die Finks auf der Unterlauchalpe. Der Beitrag «Eine Viecherei - Alltag auf der Alpe» wird am 5. Oktober um 18.15 Uhr in der SWR-Sendung «Nahaufname» gezeigt.

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