Türkheim
250000 Mal Millimeterarbeit

«Schuhe aus!» Innerhalb eines Sekundenbruchteils wird Michael Hörmann todernst. «So trägt man nur Dreck und Kieselsteine rein», schiebt der 16-Jährige hinterher. Und das können er und sein Freund Philipp Zimmermann (18) derzeit gar nicht gebrauchen. «Das haben wir alles schon gehabt. Ein kleines Körnchen und schon steht ein Dominostein schief, kippt und fällt um.»

Ein Stein, der zu früh fällt - in der Vorstellung der beiden Freunde der reine Horror. Zwar stehen in der Turnhalle des Joseph-Bernhart-Gymnasiums in Türkheim (Unterallgäu) derzeit mehr als genug bunte Kunststoffklötzchen - 250000 um genau zu sein - und sie sollten sich früher oder später alle auch in die Horizontale begeben. Doch das eben erst am Sonntag, 6. September, um Punkt 10 Uhr. Denn dann wollen die beiden Buchloer zum zweiten Mal in Folge ihren europäischen Dominoschulrekord brechen.

Exakt zwölf Monate Planen, Tüfteln und Spenden sammeln (rund 5000 Euro kosten die 250000 Dominosteine) gehen dem Versuch der zwei Gymnasiasten voraus. Die letzten Tage jedoch toppten sogar das. «Von 7 bis 20 Uhr haben wir aufgebaut», erzählt Michael, während er mit prüfendem Blick eine Reihe Steine mustert.

Übermäßig gestresst, betont Philipp, seien sie jedoch nicht: «Und jetzt sind wir ohnehin fast fertig.» Lediglich ein paar Verbindungslinien zwischen den gigantischen Bildern, Gebäuden und Bauwerken fehlten noch.

Beim Blick über die bunte Landschaft bleibt das Auge des Betrachters an einer Stelle jedoch unweigerlich hängen. Eindrucksvoll ragt in einer Ecke der Turnhalle ein gigantischer Turm auf. 6000 Steine umfasst das 3,51 Meter hohe «Projekt»; Bauzeit: ein halber Tag. Auch Philipp und Michael nähern sich dem Bauwerk nur mit größter Vorsicht, für Neugierige und Besucher ist schon ein paar Meter davor Schluss. «Der Hallenboden federt zu stark. Da muss man vorsichtig sein», erläutert Michael.

Fällt der Turm am Sonntag, ist das ein neuer Guinness-Weltrekord - einer von zweien, den die beiden Gymnasiasten ihm Rahmen ihres Schulrekordes an diesem Tag anstreben (siehe Infokasten).

Bis dahin heißt es für die beiden Buchloer jedoch abwarten und sich in Geduld üben. Noch ein- oder zweimal werden sie in die Halle schauen und mit prüfendem Auge kontrollieren, ob alles noch steht, verrät Philipp.

Aufgeregt seien sie momentan nicht mehr. «Die größte Sorge war, dass unser Zeitplan nicht klappt und alles nicht rechtzeitig steht. Aber jetzt geht es eigentlich nur noch darum, ob alles fällt oder nicht». Und das können die beiden nun, da alles aufgebaut ist, ohnehin nicht mehr beeinflussen.

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