Oy-Mittelberg
250 Kilometer durch Schnee und Eis auf Spitzbergen

Spätsommerlich warm ist es, als der 69-jährige Hagen Hartwig von ewigem Schnee und Eis zu schwärmen beginnt: «Die unberührte Landschaft, die Einsamkeit und Weite, das Losgelassensein - es war der Höhepunkt meines Lebens.» Der sportliche Senior spricht von 17 Tagen, die er auf Langlaufski auf Spitzbergen verbrachte, um von Longyearbyen zum Nordende der Insel 250 Kilometer zu gelangen - die erste Gesamtbegehung dieser Route.

Auf den Geschmack gekommen ist der pensionierte Diplomingenieur bei Skitouren in Finnland und auf Spitzbergen in den Jahren 2004 und 2005. Bei der 18-tägigen, rund 150 Kilometer langen Tour vor vier Jahren hat ihn der Anblick der ewigen Eiswüste nördlich von Longyearbyen so fasziniert, dass er wusste: Da muss ich einmal hin.

Realisieren wollte er dieses Ziel unbedingt vor seinem 70. Geburtstag. Im Mai dieses Jahres war es so weit. Übers Internet machte Hagen Hartwig einen Veranstalter extremer Touren auf Spitzbergen ausfindig, am 28. Mai ging es los.

Das Vorbereitungstraining des weitaus Ältesten der Gruppe hatte sich gelohnt: Zwei Monate lang war der 69-Jährige zwei bis drei Mal die Woche 20 Kilometer mit Gepäck gewandert, betrieb Leichtathletik und absolvierte Skitouren im Gebirge, um für die Strapazen fit zu sein.

Alles muss gezogen werden

250 Kilometer lang kein Haus, keine Straße, kein Strand, sondern nur Eis und Schnee: Was andere womöglich als öde und leer empfinden könnte, lässt Hagen Hartwig in Erinnerungen schwelgen: «Kein Leben außer Eisbär, Eisfuchs und Vögel, Abgeschiedenheit und Einsamkeit pur - das macht die Entbehrungen und körperlichen Anstrengungen wett.» Schließlich musste alles, was für die Erstbegehung überlebensnotwendig war, auf einem Schlitten mit rund 35 Kilogramm Gewicht selbst gezogen werden - «von der Kaffeetasse bis zur Suppe».

Geschlafen wurde bei Temperaturen von durchschnittlich 15 Grad minus in Zelten, die gegen Eisbären mit einem Alarmsystem gesichert waren.

Zwar sei die Gefahr «äußerst gering», als dann aber tatsächlich ein Eisbär in Sichtweite auftauchte, griffen die drei Männer und eine Frau doch sicherheitshalber zu Trillerpfeifen und schlugen auf Kochtöpfe, um ihn zu vertreiben.

Nachdem Verlegerhuken, die Nordspitze der Insel, erreicht war, sollte es eigentlich per Schiff zurückgehen. Doch wegen Treibeises gab es kein Durchkommen für Eisbrecher und die Gruppe wurde per Hubschrauber zum Ausgangspunkt zurückgebracht.

«Wer Neuland betreten will, findet hier eine Weide zum Abgrasen», berichtet Hartwig von nie bestiegenen Bergen im Norden Spitzbergens. Die Sehnsucht in seiner Stimme verrät, dass er es ernsthaft bedauert, «erst so spät auf diesen Trichter» gekommen zu sein.

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