Allgäuer Trialog
20 Jahre Psychoseseminar in Kempten

'20 Jahre Psychoseseminar und psychiatrischer Trialog – eine Erfolgsgeschichte?' Dieser Frage ging der achte 'Allgäuer Trialog' im evangelischen Gemeindehaus in Kempten auf den Grund.

Der Abend - veranstaltet vom Gesprächskreis Depression - fand im Rahmen der "Tage der seelischen Gesundheit" statt. Mitbegründer des Münchner Psychoseseminars, erinnerte an die Entstehung dieser Gesprächsforen 1989. Für Berger steht hinter dem Wort 'Erfolgsgeschichte' daher kein Fragezeichen, sondern ein 'dickes Ausrufezeichen'. Auf der Basis von gegenseitigem Respekt könne man sich dabei auf Augenhöhe austauschen und die unterschiedlichen Sichtweisen zur Sprache bringen.

Professionelle würden so 'durch Einblicke in das Erleben Betroffener mehr über das Phänomen Psychose erfahren, als es die beste Fortbildung für Ärzte bieten könnte', versicherte Berger. Unverzichtbar sei 'ein viertes Rad', nämlich die Öffentlichkeit. Sie könne Betroffenen ermöglichen, Emotionen zu äußern und sich ohne Angst zu öffnen.

Heinz Deger-Erlenmeier, Mitbegründer des Kaufbeurer Psychoseseminars, ergänzte, dass 'über Jahrhunderte die Psychiatrie nur darauf ausgelegt war, die Symptome der Krankheit zu beseitigen'.

Ein Betroffener erzählte von der 'unwahrscheinlichen Gedankenfülle, den endlosen Ideen', die selbst am Ende der Psychose nicht einzuordnen seien. Seinem Empfinden nach wäre es hilfreich, wenn Angehörige jeweils alles Gesprochene notieren würden.

Sturm im Gehirn

Maria Johler, Selbsthilfegruppe der Angehörigen Kempten/Oberallgäu, weiß von dem Sturm im Gehirn bei einem Akutschub. Sie kennt aber auch das Problem Angehöriger, 'die irgendwann an ihre Grenzen kommen'.

Und sie seien dann überfordert, 'thematische Inhalte eines kunterbunten Durcheinanders festzuhalten', so die Sozialpädagogin.

Ein weiterer Betroffener erzählte, wie er selbst über zwei Jahre lang seinen 'einsamen Weg' anhand von Aufzeichnungen eingefangen hat. Trotz der 'oft ausweglosen Situation' habe er durch die Krankheit 'auch positive Erfahrungen gemacht'.

Michael Binzer vom Sozialpsychiatrischen Zentrum der Diakonie berichtete vom Bedürfnis Betroffener, alles, was in der Psychose ausgesagt wird, irgendwann zu erarbeiten. Dazu müsse das 'im Sturm Gesagte entwirrt werden, um nach der Psychose einen sinnhaften Weg entwickeln zu können'.

Manfred Thielert (Gesprächskreis Depression) weiß, wie wichtig für einen Betroffenen Anerkennung und Stärkung des 'Ichs' sind. Die Devise, einander zuhören, miteinander reden, von einander lernen, gebe Rückhalt.

Fazit des Organisationsteams: Der 'Ausnahmezustand der Seele' sei keine Krankheit, die von selbst weggehe. Sie müsse behandelt werden. Vor allem müssten Ärzte an der Seite der Angehörigen gestellt werden. Dies ist nach Meinung von Konstanze Koenning-Egetmeyer vom Vorstand des Gemeindepsychiatrischen Verbunds (GPV) Kempten zu verwirklichen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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