Börwang brennt
16000 Zuschauer wollen das Fürchten lernen

Das Gruseln macht Antonie Martin großen Spaß: Quiekend klammert sie sich an ihren Mann, als die zottelige Gestalt mit den grün glühenden Augen und gewaltigen Hörnern auf sie zugeht und ihre behaarten Hände nach ihr ausstreckt. «So was Gräusliches», lacht die Allgäuerin, die extra aus Biessenhofen nach Börwang gekommen ist, um das Fürchten zu lernen. «Börwang brennt» heißt das Riesenspektakel, bei dem rund 300 Klausen, Krampusse, Bärbele und Perchten ihr Unwesen treiben. Und der Name ist durchaus wörtlich zu nehmen: Manche Gruppen haben Feuerspucker dabei - immer wieder schießen heiße Flammen in den nächtlichen Himmel.

Dazu gibt es jede Menge Schellengeläut und Gebrüll. << Uaaa >>, schreit gerade ein besonders fies aussehender Zottelmann mit schrecklicher Fratze und springt auf die am Straßenrand stehenden Zuschauer zu. Eine Frau mit Kleinkind auf dem Arm weicht vorsichtshalber einen Schritt zurück. << Nicht, dass er erschrickt >>, sagt sie mit prüfendem Blick auf den Kleinen. Den lässt das Ganze aber erstaunlich kalt. Cool bleiben auch Magdalena Jörg und Eva Rauh aus Durach, die sich schon vor Umzugsbeginn auf die gruseligen Masken freuen. Angst haben sie keine, sagen die beiden Mädchen, << aber Respekt. >>

Pünktlich um 17 Uhr beginnt der Umzug mit drei Schüssen. Die Gruppen, die aus dem Allgäu, aus Österreich und der Schweiz stammen, setzen sich mit Fackeln, Besen und Karren in Bewegung. Zu der mystischen Stimmung trägt der hell leuchtende Vollmond bei.

>Fans aus dem ganzen Allgäu<

Das gruselige Treiben, das von Börwangs Klausen organisiert wird, hat wahre Besuchermassen angezogen. Vereinsvorsitzender Martin Fackler und die Polizei schätzen die Zuschauerzahl auf 16000. Schon eine dreiviertel Stunde vor Beginn geht rund um Börwang fast gar nichts mehr: Im Schneckentempo schieben sich die Autoschlangen auf den kleinen Ort zu. Aus dem ganzen Allgäu strömen die Fans des alpenländischen Brauchtums. Und viele schaffen es nicht mehr rechtzeitig, weil sie im Stau stehen und weit entfernt parken müssen.

So auch Gabi und Bianca Besler, die aus Immenstadt und Burgberg angereist sind. << Wir haben die ersten sechs Gruppen verpasst >>, bedauern sie. Gefallen hat ihnen das Spektakel aber trotzdem: << Es war super - richtig mystisch >>, lautet ihr Fazit. Eines finden die beiden Frauen aber schade: Dass die Klausen und Perchten sich sofort nach dem Umzug ihrer Masken entledigen und weggehen. Gabi Besler hätte sich gewünscht, dass das Treiben nach dem Umzug noch ein bisschen weitergeht. << Dann hätten wir noch einen Glühwein getrunken. Aber jetzt löst sich ja alles schon auf. >>

Börwangs Klausen sind mehr als zufrieden mit dem Erfolg der Veranstaltung. << Es war perfekt. Wir haben nur positives Feedback >>, freut sich Fackler.

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