Oberallgäu
1600 Bauern verzichten weiter auf Gentechnik

Von einem großen Tag war die Rede und Vize-Landrat Anton Klotz freute sich über eine «Sternstunde». Stolz verkündeten die Initiatoren - allen voran stellvertretende Kreisbäuerin Elisabeth Koch - die «agro-gentechnikfreie Anbau- und Fütterungsregion Oberallgäu-Kempten». Zuvor hatten 1600 von 2200 Landwirten eine freiwillige Erklärung unterzeichnet. Darin versichern sie, kein manipuliertes Saatgut und Futter einzusetzen (siehe auch Allgäu-Rundschau).

«Der Verbraucherwille wendet sich zunehmend gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel», sagte Klotz. Der Landkreis habe die Gefahren frühzeitig erkannt. Bereits 2007 sei im Kreistag die Resolution für eine gentechnikfreie Region gefasst worden.

Jetzt, nachdem drei Viertel aller heimischen Landwirte unterschrieben hätten, gehe die Arbeit für den Kreis und seine Bündnispartner (darunter Bauernverband, «Bioland» und Bioring Allgäu) erst richtig los. Es gelte, Netzwerke zu schaffen und mit dem Handel sowie sozialen Einrichtungen an einem Strang zu ziehen. Das Etikett «Aus dem Allgäu - echt und rein - ohne Gentechnik» sei nicht zuletzt ein positiver Faktor für den Tourismus. Klotz sicherte als Starthilfe für das Projekt bis zu 100000 Euro vonseiten des Landkreises zu.

Bei der Gentechnik würden artfremde Gene in eine Pflanze eingeführt, erläuterte Elisabeth Koch. Ein solcher Vorgang sei in der Natur niemals möglich. «Außerdem kennen Insekten, Pollen und Wind keine Abstandsgrenzen», so die stellvertretende Kreisbäuerin. Der Bauernverband (BBV) habe bereits in zahlreichen Veranstaltungen über die Gefahren des manipulierten Saatgutes informiert. Bei der Allgäuer Festwoche etwa seien 10 000 Informationsbroschüren verteilt und 2400 Verbrauchererklärungen eingeholt worden.

«Wir arbeiten mit unseren Partnern von Molkereien und Lebensmittelhandwerk an der Kennzeichnung ohne Gentechnik», erklärte Elisabeth Waizenegger von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Dazu sei die Förderung von Marktallianzen von großer Bedeutung.

«Stolz sein auf Artenreichtum»

Das Oberallgäu könne stolz sein auf seinen Artenreichtum auf den Wiesen und Feldern, sagte Bio-Bäuerin Karin Agerer als Vertreterin von «Bioland» und Bund deutscher Milchviehhalter (BDM). Durch eine Kontamination von genveränderten Pflanzen würde diese Vielfalt «im höchsten Grad» gefährdet. Insbesondere beim Thema Bienen lasse sich die Problematik der Gentechnik aufzeigen. Agerer: «Wie soll ein Imker seine Völker schützen, gerade in unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft?»

Auf die Macht der Verbraucher verwies die Bäuerin Monika Mayer vom Biokreis: «Hergestellt wird nur, was gekauft wird.» Nicht zuletzt müssten die Landwirte bei der Auswahl ihrer Futtermittel beharrlich «Politik mit dem Einkaufskorb» machen. Ernst Schwald von der Bodenseeakademie verwies auf den Schulterschluss des Landkreises mit der Bodenseeregion.

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