Oberallgäu / Kempten
160 Schicksale in zehn Jahren

«Dem Toten kann ich nicht mehr helfen, aber seinen Hinterbliebenen». Dem Satz aus dem Munde ihres ehemaligen Leiters Winfried («Winne») Schmidt stimmen die zehn anwesenden Männer des Krisen-Interventions-Dienstes (KID) der Bergwacht Allgäu mit schweigendem Kopfnicken zu. Ihre Arbeit ist oft traurig. Doch die Laune der Männer an diesem Tag ist blendend: Sie haben die Silberdistel unserer Zeitung erhalten - eine Auszeichnung für außergewöhnliches soziales Engagement.

Ende der 90er Jahre wurden in den Bergwacht-Abschnitten in ganz Bayern KIDs gegründet und das Personal geschult. «Den entscheidenden Impuls gab unser Winne», sagt der Oberstdorfer Horst Engelhardt, der in diesem Jahr die Leitung der KIDler übernommen hat. 160 Einsätze - 160 einzelne Schicksale - haben die 14 Helfer in den zehn Jahren seit der Gründung absolviert - allein 16 in diesem Jahr.

Todesnachrichten überbringen

Sie betreuen Opfer und Angehörige direkt nach einem Unfall. «Früher hat man die Angehörigen einfach stehen lassen, wie das fünfte Rad am Wagen. Oft sogar mit ihnen geschimpft, weil sie den Einsatzleiter behinderten», erzählt Regionalleiter der Allgäuer Bergwacht Heini Malue. Das kann heute nicht mehr passieren. Sind keine Angehörigen vor Ort, wartet die schwierigste Aufgabe: Der Familie des Verunglückten die Todesnachricht zu überbringen.

Und die Männer betreuen nicht nur Verunglückte und deren Familien, sondern helfen auch in den eigenen Reihen. Nach schweren Einsätzen brauchen Bergwachtler selbst das ein oder andere Mal psychologische Betreuung. Engelhardt: «Einige unserer Männer waren bei dem Erdbeben in der Türkei dabei. Vor allem junge Helfer hatten damals schwer zu kämpfen, da sie viele tote Kinder bergen mussten.» Warum die KIDler freiwillig diesen schweren Dienst auf sich nehmen? «Natürlich sagt keiner, er ist dafür geboren, Todesnachrichten zu überbringen oder er macht das gern», sagt Heini Malue. «Aber der eine oder andere kann es nun mal besser. Dieses Potenzial nutzen wir und bilden die Männer gut aus».

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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